Der Chemiekonzern BASF hat angekündigt, im Rahmen seiner Umstrukturierung einen Großteil der Werkswohnungen seiner Tochter BASF Wohnen + Bauen zu verkaufen. Insgesamt handelt es sich um 4400 Wohneinheiten: 1100 Eigentumswohnungen sollen an einzelne Käufer gehen, während 3300 Wohnungen als Gesamtpaket inklusive Gebäude an einen Großinvestor veräußert werden sollen. Ziel ist es, bis Anfang 2027 Käufer zu finden, die an einer „langfristigen, nachhaltigen Investition“ interessiert sind. Diese strategische Neuausrichtung soll die Wettbewerbsfähigkeit der BASF und das Stammwerk in Ludwigshafen stärken, indem sich der Konzern wieder verstärkt auf sein Kerngeschäft konzentriert.
Das Unternehmen begründet diesen Schritt mit einem seit Längerem schwierigen Marktumfeld und der Notwendigkeit, die Bilanz zu stärken. Helmut Winterling, Leiter der Europäischen Verbundstandorte, bezeichnete die Veräußerung als eine schwierige, aber notwendige Entscheidung. Ein Teil des Wohnungsbestands im direkten Umfeld des BASF-Standorts wird im Eigentum des Unternehmens verbleiben. Die zum Verkauf stehenden Wohnungen verteilen sich mehrheitlich über das Stadtgebiet von Ludwigshafen, mit kleineren Beständen auch in Frankenthal und Mannheim. Dieser Verkauf ist Teil einer umfassenderen Strategie, um das Unternehmen resilienter gegenüber externen wirtschaftlichen Schwankungen zu machen.
Die Pläne stoßen jedoch auf scharfe Kritik seitens der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE). Der Gewerkschaftsvorsitzende der IGBCE-Vertrauensleute bei BASF, Stephan Güldner, äußerte sein Unverständnis: „Das aktuelle Vorgehen meiner BASF, sich von ihren Werten zu verabschieden, ist nicht nachvollziehbar und wirkt auf mich rein finanzgetrieben.“ Die Gewerkschaft betont, dass in diesen Wohnungen größtenteils aktive oder ehemalige Beschäftigte leben, die dem Unternehmen jahrzehntelang loyal gedient hätten. Sie befürchtet, dass diese Mieter nun dem Druck der Immobilienwirtschaft ausgesetzt werden. Es entstehe der Eindruck, dass ohne Not das „Tafelsilber“ des Unternehmens veräußert werde, was einen Bruch mit der langjährigen sozialen Verantwortung darstellt.
Die Verkaufsentscheidung der BASF wird zudem im Kontext einer breiteren Krise der deutschen Chemiebranche gesehen. Konzerne wie BASF, Wacker und Dow beklagen seit Längerem einen Mangel an Aufträgen, was auf ein schwieriges gesamtwirtschaftliches Umfeld hindeutet. Die Chemiebranche ist ein Grundpfeiler der deutschen Wirtschaft und beschäftigt fast eine halbe Million Menschen. Die aktuellen Schwierigkeiten könnten daher als Vorbote eines größeren wirtschaftlichen Niedergangs in Deutschland interpretiert werden. Die Veräußerung der Werkswohnungen könnte somit nicht nur ein interner Restrukturierungsschritt sein, sondern auch ein Symptom für tiefgreifendere Probleme in einer Schlüsselindustrie des Landes.

