Angesichts der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten, insbesondere des Konflikts zwischen Israel, den USA und dem Iran, äußert der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ernsthafte Bedenken hinsichtlich der militärischen Sicherheit seines Landes. In einem Interview mit »The Independent« betonte Selenskyj die erhöhte Verwundbarkeit der Ukraine durch russische Angriffe. Er fürchtet einen Mangel an Flugabwehrraketen, da die USA und ihre Verbündeten ihre hochmodernen Abwehrsysteme verstärkt zum Schutz gegen iranische Angriffe im Nahen Osten einsetzen müssen. Dies sei zwar verständlich, werde aber unweigerlich zu einer potenziellen Reduzierung der Luftverteidigungskapazitäten für die Ukraine führen, deren Abhängigkeit von in den USA hergestellten Systemen groß ist. Trotz Kontakten zu Partnern außerhalb der USA fehle es bisher an konkreten Lösungen, um ein drohendes Defizit zu beheben.
Ungeachtet dieser Herausforderungen hat die Ukraine proaktiv Hilfe für die vom Iran-Krieg betroffenen Länder angeboten. Selenskyj bestätigte laufende Gespräche mit Nationen wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Bahrain, Jordanien und Kuwait über den effektiven Umgang mit iranischen Shahed-Drohnen. Diese Länder, darunter auch die Vereinigten Staaten, hätten die Ukraine um Unterstützung bei der Abwehr dieser unbemannten Flugobjekte gebeten. Angesichts der jahrelangen Erfahrung Kiews im Kampf gegen zehntausende solcher Drohnen, die Russland seit der Vollinvasion eingesetzt hat, verfügt die Ukraine über einzigartiges Fachwissen. Selenskyj hat eine “konkrete Anfrage” der USA bestätigt und angeordnet, ukrainische Spezialisten und die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen, um die erforderliche Sicherheit zu gewährleisten und die Drohnenabwehr der Partner zu stärken.
Neben den globalen Konflikten sprach Selenskyj auch den anhaltenden Streit mit Ungarn an, der die Bereitstellung vitaler EU-Hilfen in Höhe von bis zu 90 Milliarden Euro für die Ukraine blockiert. Der Präsident äußerte sich mit deutlichen Worten zum ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Er drückte die Hoffnung aus, dass “eine bestimmte Person in der EU die 90 Milliarden nicht länger blockiert”, um den ukrainischen Soldaten dringend benötigte Waffen zukommen zu lassen. In einer bemerkenswert scharfen Äußerung fügte Selenskyj hinzu: “Andernfalls werden wir die Adresse dieser Person unseren Streitkräften, unseren Leuten, weitergeben. Sollen sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer eigenen Sprache sprechen.” Diese Aussage unterstreicht die tiefe Frustration Kiews über die ungarische Blockade.
Ein weiteres innenpolitisches Thema war der Zustand der Druschba-Ölpipeline, die nach ukrainischen Angaben im Januar durch einen russischen Angriff beschädigt wurde. Diese Pipeline ist entscheidend für die Öllieferungen nach Ungarn und in die Slowakei, die von den EU-Sanktionen gegen russisches Öl ausgenommen sind. Selenskyj zufolge könnte die Pipeline in etwa anderthalb Monaten technisch wieder betriebsbereit sein. Ungarn und die Slowakei haben Kyjiw wiederholt vorgeworfen, die Reparaturen bewusst zu verzögern – eine Anschuldigung, die die ukrainische Regierung jedoch entschieden zurückweist. Die schnelle Wiederherstellung der Pipeline ist von beiderseitigem Interesse, um die Energieversorgung in der Region zu sichern und weitere politische Spannungen zu vermeiden.

