Der Iran-Krieg hat seinen zwölften Tag erreicht und ist von massiven gegenseitigen Angriffen geprägt. Iranische Streitkräfte attackierten Israel und die Golfstaaten erneut mit Raketen und Drohnen, die in der Regel abgefangen wurden oder unbewohnte Gebiete trafen. Die Tasnim-Nachrichtenagentur sprach von der heftigsten Angriffswelle seit Kriegsbeginn. Gleichzeitig begann das israelische Militär eine neue Angriffswelle auf Teheran, die sich gegen “Ziele des iranischen Terrorregimes” richtet. Zuvor waren Explosionen in der iranischen Hauptstadt zu hören. Israels Präsident Herzog verteidigte die Angriffe auf Öldepots in Teheran, da das Öl zur Finanzierung von “Terroroperationen” genutzt werde. Im Libanon führte der Krieg zu einer massiven humanitären Krise mit nahezu 760.000 Vertriebenen, während Hisbollah und Israels Armee ihre Auseinandersetzungen fortsetzten, inklusive Attacken auf Beiruter Vororte.
Die Eskalation des Konflikts hat auch weitreichende politische Implikationen. Irans Polizeichef Ahmed-Resa Radan warnte Regierungsgegner drastisch vor Protesten und kündigte an, diese als Feinde zu behandeln, mit der Drohung, “Alle unsere Männer haben ihren Finger am Abzug.” Diese Warnung erfolgte nach Aufrufen von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und US-Präsident Donald Trump, die iranische Bevölkerung solle sich gegen ihre Regierung auflehnen und die Angriffe als Chance zum Sturz der Führung nutzen. Die politische Rhetorik verschärft sich, während die militärischen Aktionen eine immer größere Bedrohung für die Stabilität der gesamten Region darstellen.
Als direkte Reaktion auf die gestiegenen Rohölpreise erwägt die Internationale Energieagentur (IEA) die größte Freigabe von Ölreserven in ihrer Geschichte. Ein solcher Vorschlag wurde bei einer Sondersitzung der 32 IEA-Mitglieder unterbreitet und würde die 182 Millionen Barrel übertreffen, die IEA-Mitgliedstaaten 2022 nach der russischen Invasion der Ukraine auf den Markt brachten. Eine Entscheidung wird für Mittwoch erwartet, nachdem bereits am Montag die G7-Staaten eine Freigabe von Ölreserven in Betracht zogen. Die IEA und die EU verpflichten ihre Mitglieder, Ölbestände für mindestens 90 Tage ihrer Nettoimporte vorzuhalten. Solche koordinierten Freigaben sind selten und wurden zuvor nur bei großen globalen Krisen wie dem zweiten Golfkrieg 1991 oder dem Bürgerkrieg in Libyen 2011 durchgeführt.
Die globalen Auswirkungen des Iran-Kriegs sind bereits spürbar. Autofahrer in den USA sehen sich mit deutlich gestiegenen Benzinpreisen konfrontiert; seit Kriegsbeginn kletterten die Preise für bleifreies Benzin um 55 Cent auf rund 3,54 US-Dollar pro Gallone – ein Anstieg von fast 19 Prozent. Dies markiert das erste Mal seit Juli 2024, dass der Durchschnittspreis die 3,50-Dollar-Marke knackte. Im Vergleich dazu zahlen amerikanische Autofahrer umgerechnet etwa 81 Eurocent pro Liter, was aufgrund geringerer Steuern und eigener Ölproduktion immer noch günstiger ist als in Deutschland. Das Pentagon gab zudem erstmals die Zahl der amerikanischen Verwundeten bekannt: Etwa 140 US-Soldaten wurden im Iran-Krieg bisher verletzt, acht davon schwer, zusätzlich zu den sieben bereits bekannten Todesfällen.

