Kuba steckt in einer der schwersten Wirtschaftskrisen seit der Revolution von 1959. Die Lage hat sich durch das Ausbleiben subventionierten Öls aus Venezuela, auf das Kuba angewiesen war, dramatisch verschärft. Die angespannte Situation im kommunistisch regierten Karibikstaat führt dazu, dass der Name Castro wieder stärker in den Vordergrund rückt. Nach jahrzehntelanger Führung durch Fidel und später Raúl Castro, scheint nun eine neue Generation in den Startlöchern zu stehen.
Seit Kurzem tritt Raúl Guillermo Rodríguez Castro, der Enkel von Raúl Castro, verstärkt in der Öffentlichkeit auf. Seine Auftritte an der Seite von Präsident Miguel Díaz-Canel, darunter bei einem Kabinettstreffen und einer Pressekonferenz, haben Spekulationen über seine zukünftige Rolle ausgelöst. Berichte über Gespräche zwischen Beratern des US-Außenministers Marco Rubio und Rodríguez Castro in St. Kitts und Nevis deuten darauf hin, dass er ein potenzieller Akteur in den von den USA angestrebten Machtwechselplänen sein könnte. Bislang bekannt als Leibwächter seines Großvaters, signalisieren diese Entwicklungen eine mögliche Neuausrichtung.
Der Druck auf Havanna nimmt nicht nur von externer Seite durch US-Präsident Donald Trump zu, der Kuba nach Venezuela als Nächstes auf seiner Agenda sieht, sondern auch intern. Die Bevölkerung leidet unter enormen wirtschaftlichen Problemen und landesweiten Stromausfällen. Medien berichteten von wütenden Protesten und der Verwüstung eines Parteibüros in Moron, was die tiefe Unzufriedenheit unterstreicht. Präsident Díaz-Canel räumte die Unzufriedenheit ein, verurteilte jedoch die Gewalt. Die USA betrachten Lateinamerika traditionell als ihre Einflusssphäre und berufen sich auf eine 200 Jahre alte Doktrin.
Inmitten dieser Turbulenzen hat Kuba überraschend Gespräche mit Washington bestätigt. Präsident Díaz-Canel sprach von einem Dialog, der durch “internationale Akteure” begünstigt wurde, um nach einer möglichen Lösung für die bilateralen Differenzen zu suchen. Obwohl die Beziehungen seit der Revolution 1959 angespannt sind, könnten diese Gespräche einen Wendepunkt markieren. Die Entwicklung um Raúl Guillermo Rodríguez Castro und die offizielle Bestätigung von Dialogen mit den USA werfen wichtige Fragen über Kubas Zukunft in einer sich wandelnden geopolitischen Landschaft auf.

