Österreichs größtes Medienhaus, der ORF, wird von einem weitreichenden Skandal erschüttert, der zum Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann führte. Eine Mitarbeiterin hatte ihm vorgeworfen, sie sexuell belästigt zu haben, und legte dem ORF-Stiftungsrat offenbar belastendes Material vor, darunter Bilder, Videos und Textnachrichten. Obwohl Weißmann über seinen Anwalt jegliches Fehlverhalten bestreitet und eine einvernehmliche Beziehung behauptet, trat er am 8. März von seinem Posten zurück, angeblich um „Schaden vom Unternehmen abzuwenden“. Die mutmaßlichen Belästigungsvorfälle liegen bereits vier Jahre zurück, was den Zeitpunkt des Publikwerdens, wenige Monate vor der Wahl des neuen ORF-Generaldirektors, besonders brisant macht. Weißmann, der der konservativen Volkspartei nahesteht, hatte gute Aussichten auf eine Wiederwahl.
Im ORF-Kosmos hatte Weißmann jedoch auch Widersacher, darunter den ORF-Manager Pius Strobl, dem Weißmann offenbar eine Rentenzusage verweigerte. Strobl steht angeblich in einem engen Verhältnis zu der Frau, die die Vorwürfe erhoben hat, was Spekulationen über eine mögliche Instrumentalisierung der Anschuldigungen im Rahmen von internen Machtkämpfen aufkommen lässt. Strobl bestreitet dies. Der Fall ist nicht der erste Belästigungsvorfall in der Geschichte des ORF und wirft ein Schlaglicht auf eine problematische Unternehmenskultur und das Ineinandergreifen von Machtkämpfen. Die Existenz von belastenden Belegen, die Weißmann offenbar nicht riskieren wollte zu veröffentlichen, deutet auf die Ernsthaftigkeit der Situation hin und setzt den ORF nun unter erheblichen Druck.
Parallel dazu sind in Österreich auch außen- und innenpolitische Spannungen spürbar, insbesondere im Kontext des Krieges im Nahen und Mittleren Osten. Obwohl die Benzin- und Dieselpreise nicht ganz so hoch sind wie in Deutschland, versucht die Bundesregierung in Wien, mit einem Maßnahmenpaket weiteren Preissteigerungen entgegenzuwirken. Dazu gehören die Begrenzung von Preissteigerungen an Tankstellen auf dreimal pro Woche, die Beteiligung an der Freigabe strategischer Ölreserven sowie Bestrebungen zur Reform des Strommarkts und zum beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien. Diese Maßnahmen sollen die wirtschaftlichen Auswirkungen internationaler Konflikte auf die österreichische Bevölkerung abfedern.
Die Spannungen des Nahostkonflikts manifestieren sich auch in den österreichischen Städten. Vor der Botschaft der Islamischen Republik und anderswo in Wien protestierten Hunderte Regimegegner. Nach dem Tod des iranischen Staatsoberhaupts Ali Khamenei kam es im Wiener Bezirk Floridsdorf sogar zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern, die Verletzte forderten. Auch in Graz sind diese Konflikte sichtbar, wo Regimegegner auf der Erzherzog-Johann-Brücke Schilder mit Erinnerungen an Opfer des iranischen Regimes anbrachten, die jedoch später abgerissen wurden. Diese Entwicklungen, wie auch der ORF-Skandal, werden von den Kooperationspartnern „Standard“ und „Spiegel“ im Podcast und Newsletter „Inside Austria“ analysiert und eingeordnet, um die Hintergründe der Macht und das, was Österreich bewegt, zu beleuchten.

