Eine unabhängige Kommission der Vereinten Nationen hat besorgniserregende Anzeichen für Völkermord im Sudan durch die Rapid Support Forces (RSF) festgestellt. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht hebt hervor, dass die RSF gezielt nicht-arabische Bevölkerungsgruppen angreift, wobei willkürliche Tötungen, die Zufügung von erheblichem körperlichem und seelischem Leid sowie die Schaffung von Lebensbedingungen mit dem expliziten Ziel der Zerstörung dieser Menschengruppen dokumentiert wurden. Diese Erkenntnisse basieren auf detaillierten Untersuchungen des Vorgehens der Miliz und deuten auf eine systematische Kampagne hin, die weit über zufällige Kriegsverbrechen hinausgeht. Die internationale Gemeinschaft blickt mit großer Sorge auf die Entwicklung, während die Forderungen nach Rechenschaftspflicht lauter werden.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Gräueltaten rund um die Großstadt Faschir in Nord-Darfur, die laut Mohamed Chande Othman, dem Vorsitzenden der Kommission, keine willkürlichen Ausbrüche waren, sondern Teil einer „geplanten und organisierten Operation“, die die Merkmale eines Völkermords aufweist. Eine 18-monatige Belagerung Faschirs ging der Eroberung voraus, in der die Bevölkerung systematisch durch Hunger, Entbehrung, Traumatisierung und Gefangenschaft geschwächt wurde. Das Humanitarian Research Lab der US-Universität Yale schätzt basierend auf Satellitenaufnahmen, dass allein in den Wochen nach der Eroberung Faschirs mindestens 60.000 Menschen getötet worden sein könnten. Die gezielte Vergewaltigung und Verfolgung von Frauen und Mädchen afrikanischer Volksgruppen wie Zaghawa und Fur, im Gegensatz zur oft unversehrten Behandlung von als Araberinnen wahrgenommenen Frauen, unterstreicht den diskriminierenden und zerstörerischen Zweck dieser Gewalt.
Der Sudan wird seit April 2023 von einem blutigen Machtkampf zwischen der regulären Armee und der RSF erschüttert. Während die Uno die aktuelle Lage als die größte humanitäre Krise der Welt bezeichnet, werden auch der sudanesischen Armee Kriegsverbrechen vorgeworfen, darunter Bombardierungen ziviler Ziele. Aktuell befürchten Experten eine Wiederholung der tragischen Ereignisse, da sich die Kämpfe in die zentralsudanesische Region Kordofan verlagert haben, wo die RSF nun die Stadt Kadugli belagert. Lokale Helfer berichten bereits von einer dramatischen Zuspitzung der Versorgungssituation für die dortige Bevölkerung, was die Sorge vor weiteren humanitären Katastrophen schürt.
Die Region Darfur im Westen des Sudan war bereits 2003 Schauplatz massiver Gräueltaten und Massaker an afrikanischen Volksgruppen, verübt von arabischen Reitermilizen. Die jüngsten Berichte sind daher keine neuen Phänomene, sondern spiegeln eine erschreckende Kontinuität der Gewalt wider. Schon vor der Eroberung Faschirs kam es in anderen Teilen Darfurs zu Massakern, Folter und sexueller Gewalt durch RSF-Kämpfer. Trotz des großen Geldmangels und der immensen Herausforderungen versucht die Uno, Nothilfe zu leisten, wie Uno-Nothilfekoordinator Tom Fletcher betont, um das Leid der Zivilbevölkerung zu mindern und auf die Einhaltung internationaler Menschenrechte zu drängen, auch wenn die Situation extrem prekär bleibt.

