In Hamburg ereignete sich der erste Wolfsangriff auf einen Menschen in Deutschland seit der Wiederansiedlung der Tiere. Eine Frau wurde im Stadtteil Altona in der Nähe eines Ikea-Marktes von einem Wolf gebissen und erlitt dabei leichte Verletzungen im Gesicht. Die Behörden bestätigten, dass es sich um den ersten derartigen Vorfall seit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland im Jahr 1998 handelt. Der Angriff rief Besorgnis hervor, da Wölfe normalerweise als scheu gelten und Menschen meiden. Der Vorfall ereignete sich am Vorabend und wurde von der Polizei gemeldet, wobei die genauen Umstände noch untersucht werden.
Experten vermuten, dass es sich bei dem angreifenden Tier höchstwahrscheinlich um einen jungen Wolf – einen Welpen – handelt, der sich in der Abwanderungsphase von seinem Rudel befand. Auf der Suche nach einem eigenen Revier legen junge Wölfe oft weite Strecken zurück. Die ungewohnte und stressige städtische Umgebung bei Tag wird als Hauptgrund für das untypische Verhalten des normalerweise scheuen Tieres angesehen. Die Umweltbehörde geht davon aus, dass der Wolf versehentlich so weit in das Stadtgebiet gelangt war und lediglich versuchte, einen Weg hinaus zu finden. Zuvor zeigte der Wolf bei Sichtungen ein ausgeprägtes Fluchtverhalten.
Nach dem Angriff wurde der Wolf am späten Abend in der Hamburger Innenstadt eingefangen. Die Polizei zog das Tier am Anleger an der Binnenalster mit einer Schlinge aus dem Wasser. Anschließend wurde der Wolf in einen Wildpark gebracht, wo er sich von dem Stress der ungewohnten Umgebung und den Strapazen des Einfangens erholen soll. Ein Abteilungsleiter des Bezirksamtes Altona bestätigte die Verbringung in den Wildpark und betonte, dass das Tier nun zur Ruhe kommen müsse.
Die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland begann in den Neunzigerjahren, nachdem sie über Polen einwanderten. Nach rund 150 Jahren galten sie in Deutschland als ausgerottet. Heute sind Wölfe in vielen Bundesländern heimisch geworden. In Hamburg wurden seit 2013 insgesamt 21 Wolfsnachweise eindeutig bestätigt. Bereits am Wochenende vor dem Angriff wurden im Hamburger Westen, unter anderem in Blankenese, mehrere Wolfssichtungen gemeldet. Die Umweltbehörde geht stark davon aus, dass es sich bei dem am Montagabend involvierten Tier um denselben Wolf handelte, der am Wochenende gesichtet wurde.
