Mehr als 250 prominente Frauen haben einen Zehn-Punkte-Plan unterzeichnet, der besseren Schutz vor sexualisierter Gewalt im Internet fordert. Diese breit angelegte Initiative, die sich an die Bundesregierung richtet, reagiert auf eine zunehmende Besorgnis über digitale Übergriffe und steht im Kontext jüngster Vorwürfe, wie sie Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben hat. Der Plan zielt darauf ab, bestehende Gesetzeslücken zu schließen und Opfern digitaler Gewalt effektivere rechtliche Mittel an die Hand zu geben. Es ist ein klares Zeichen gegen die zunehmende Entgrenzung von Privatsphäre und Würde im digitalen Raum.
Eine zentrale Forderung des Maßnahmenkatalogs ist die strafrechtliche Verfolgung des Erstellens und Verbreitens sexualisierender Deepfakes. Diese digitalen Manipulationen, die Gesichter von Personen ohne deren Zustimmung in pornografische oder sexualisierte Kontexte montieren, stellen eine gravierende Verletzung der Persönlichkeitsrechte dar und können für Betroffene verheerende psychologische und soziale Folgen haben. Ebenso wird die Strafbarkeit von voyeuristischen Aufnahmen aus halböffentlichen Räumen wie Saunen und öffentlichen Duschen verlangt, um die Privatsphäre und Würde der Einzelnen besser zu schützen und ein klares Signal gegen solche Übergriffe zu senden.
Darüber hinaus fordert der Plan eine stärkere Regulierung von Anwendungen und Plattformen, die zur Erstellung und Verbreitung solcher schädlichen Inhalte missbraucht werden können. Es soll zudem eine nationale Strategie gegen männliche Gewalt entwickelt werden, die über digitale Aspekte hinausgeht und gesamtgesellschaftlich ansetzt. Die Sensibilisierung und Schulung von Behörden wie Polizei und Justiz für den professionellen und traumasensiblen Umgang mit Opfern sexualisierter Gewalt ist ein weiterer Kernpunkt. Ergänzend dazu soll “Femizid” als eigener Tatbestand ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden, und die Strafbarkeit sexueller Handlungen ohne ausdrückliche Zustimmung wird ebenfalls eingefordert, um das Prinzip ‘Nur Ja heißt Ja’ rechtlich zu verankern.
Initiiert wurde dieser bedeutende Aufruf von der Aktivistin Kristina Lunz, der Politikerin Ricarda Lang von den Grünen und der Autorin Düzen Tekkal. Die Liste der Unterzeichnerinnen ist prominent und vielfältig und umfasst Politikerinnen wie Bärbel Bas (SPD), Katharina Dröge und Britta Haßelmann (Grüne), Musikerinnen wie Nina Chuba und Ikkimel, die Komikerin Carolin Kebekus, Moderatorin Frauke Ludowig sowie die Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Der Anstoß zu dieser Initiative war ein Bericht des Spiegels, in dem Collien Fernandes ihrem Ex-Mann Christian Ulmen langjährige sexualisierte Gewalt vorwirft, woraufhin Ulmens Anwalt rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung ankündigte.
