Soziokulturelle Zentren in Deutschland geraten zunehmend ins Fadenkreuz rechtsextremer Gruppen und politischer Kräfte. Diese Einrichtungen, oft Rückzugsorte für alternative Jugendliche, werden mit physischer Gewalt und politischen Manövern wie Förderkürzungen attackiert. Musiker wie Thomas Wettermann von Loikaemie erinnern sich an Jahrzehnte des Widerstands gegen bewaffnete Neonazi-Überfälle, bei denen die Polizei oft untätig blieb. Die damalige Bedrohungslage hat sich bis heute verschärft und erfordert entschlossenes Handeln zum Schutz dieser wichtigen Kulturräume.
Das Leipziger Conne Island, ein prägendes Zentrum für viele Bands, steht beispielhaft für die vielschichtigen Herausforderungen. Neben regelmäßigen Angriffen von rechts und Forderungen nach Förderkürzungen durch Parteien wie die AfD, muss es sich auch mit einem Boykott aus Teilen der linken Szene auseinandersetzen, der seit dem 7. Oktober 2023 wegen der Haltung des Zentrums zur Solidarität mit Israel besteht. Diese internen Konflikte schwächen die Zentren zusätzlich und machen sie noch abhängiger von externer Unterstützung, um ihre Existenz zu sichern und ihre Arbeit fortzusetzen.
Die Angriffe sind kein regionales Phänomen, sondern betreffen ganz Deutschland. Von gesprengten Türen bei Hausprojekten in Cottbus und zerstörten Briefkästen in Schwarzenberg bis hin zu rechtsextremen Schmierereien in Dachau und drastischen Förderkürzungen in Schwäbisch Gmünd – die Muster wiederholen sich bundesweit. Rechte Parteien nutzen ihre politische Macht, um die finanzielle Grundlage dieser Zentren zu untergraben, während Neonazis eine zunehmende Enthemmung ihrer Gewaltbereitschaft zeigen, die an die Überfälle der Wendezeit erinnert.
Als Reaktion auf diese akute Bedrohung hat die MONOM Stiftung zusammen mit dem Conne Island die Kampagne „Alles beginnt im Zentrum“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, bedrohte Zentren finanziell zu unterstützen und langfristig zu stärken. Mit einem Akuthilfefonds werden Anwalts-, Reparatur- und Sicherheitskosten nach Angriffen gedeckt, während ein Strukturfonds Förderkürzungen abfedern soll. Bereits über 30.000 Euro wurden gesammelt, und zahlreiche Zentren sowie Bands wie Tocotronic und Loikaemie solidarisieren sich, um ein starkes Zeichen gegen die Angriffe zu setzen und die Botschaft der Solidarität zu verbreiten.
