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Home»Gesellschaft»Sexueller Missbrauch Erzbistum Paderborn: Ausmaß schockiert
Gesellschaft

Sexueller Missbrauch Erzbistum Paderborn: Ausmaß schockiert

By March 14, 20262 Mins Read
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Eine unabhängige Studie der Universität Paderborn enthüllt ein schockierendes Ausmaß sexuellen Missbrauchs in der Katholischen Kirche des Erzbistums Paderborn, das weit über bisherige Annahmen hinausgeht. Für den Zeitraum 1941 bis 2002 wurden Hinweise auf 210 Beschuldigte und 489 Betroffene gefunden. Diese Zahlen sind fast doppelt so hoch wie die zuvor von der Deutschen Bischofskonferenz für 1946 bis 2014 genannten 111 Priester und 197 Opfer. Historikerin Nicole Priesching betonte, bisherige Angaben “stark zu korrigieren” und von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen. Die am Donnerstag vorgestellten Ergebnisse markieren einen entscheidenden Schritt in der Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels.

Die Studie spricht von tiefgreifenden “Vertuschungsspiralen” innerhalb der katholischen Kirche. Beschuldigte Kleriker, Bistumsmitglieder und Erzbischöfe sollen aktiv Einfluss auf Betroffene und Angehörige genommen haben, um sie von Anzeigen abzuhalten. Pfarrer wurden offenbar stillschweigend dazu angehalten, ebenfalls Druck auf Betroffene auszuüben, was sich häufig mit dem sozialen Umfeld in den Gemeinden deckte. Diese systemische Vertuschung führte dazu, dass Betroffene den Tätern weiterhin schutzlos ausgeliefert blieben. Die Aufarbeitung dieser komplexen Mechanismen steht laut den Wissenschaftlern erst am Anfang.

Die Reaktionen auf die Studienergebnisse waren von tiefer Bestürzung geprägt. Reinhold Harnisch, Sprecher der Betroffenenvertretung, sprach von einem “doppelten Missbrauch” – einmal durch die Täter und ein zweites Mal durch das Versagen der Institutionen, der bis heute andauere. Dennoch gebe die Studie den Betroffenen “ein Stück Würde zurück”. Matthias Katsch von der Betroffeneninitiative Eckiger Tisch bezeichnete den Tag als “Tag der Trauer und des Zorns”, erschüttert über das Ausmaß der Verbrechen und die Gewissenlosigkeit, mit der Täter geschützt und Opfer ignoriert wurden. Der aktuelle Erzbischof Udo Bentz würdigte die Untersuchung als “Meilenstein” und betonte die Verpflichtung zu einer neuen Kultur der Glaubwürdigkeit.

Das Wissenschaftlerteam der Universität Paderborn war seit 2020 mit dieser historischen Studie befasst. Für die unabhängige Untersuchung wurden umfassende Quellen wie personenbezogene Akten, das Erzbischöfliche Geheimarchiv, private Nachlässe, Gerichts- und Strafakten sowie Briefwechsel akribisch analysiert. Zusätzlich wurden rund 80 Interviews mit Zeitzeugen und Betroffenen geführt. Die Studie konzentrierte sich auf die Amtszeiten der Erzbischöfe Lorenz Jaeger (1941–1973) und Johannes Joachim Degenhardt (1974–2002), wobei unter Jaeger 144 Beschuldigte und 316 Betroffene identifiziert wurden, und unter Degenhardt 98 Beschuldigte und 195 Betroffene. Ein weiteres Forschungsprojekt zur Amtszeit von Erzbischof Hans-Josef Becker (2003–2022) ist im Gange, dessen erste Ergebnisse für 2027 erwartet werden.

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