Ein vor dem Timmendorfer Strand gestrandeter Buckelwal hat nach tagelangen, aufwendigen Rettungsbemühungen selbst den Weg zurück in die freie Ostsee gefunden. Die Nachricht von der Befreiung des Meeressäugers löste zwar Erleichterung aus, doch die Sorgen der Experten um seine sichere Rückkehr in den Atlantik, sein natürliches Zuhause, halten an. Die Kosten für die bisherige Rettungsaktion bezifferte der Bürgermeister von Timmendorf Strand bereits auf rund 40.000 Euro, ein Betrag, der sich mit den fortgesetzten Maßnahmen weiter erhöhen wird.
Am Freitagnachmittag wurde der Wal gesichtet, wie er aus der Lübecker Bucht in Richtung Mecklenburg schwamm, genauer gesagt in Küstennähe bei Warnkenhagen (Nordwestmecklenburg). Dies rief Meeresschutzorganisationen wie Sea Shepherd und Greenpeace auf den Plan. Ihre Mitglieder begleiteten das Tier mit Schlauchbooten, um es vor einer erneuten Strandung in flacheren Gewässern zu schützen. Sie bildeten eine Art Blockade und versuchten, den Wal gezielt in tiefere Bereiche der Ostsee zu geleiten, bevor sie die Beobachtung über Nacht einstellten.
Das übergeordnete Ziel ist es, das erschöpfte Tier sicher in die Nordsee und von dort weiter in den Atlantik zu manövrieren. Meeresbiologe Robert Marc Lehmann, der mit dänischen Polizeibehörden und Einsatzkräften in Kontakt steht, schlägt vor, den Wal an der Küste bei Neustadt vorbei in Richtung der Insel Fehmarn und anschließend Dänemark zu leiten. Die Herausforderung ist enorm, da der Wal erschöpft ist und seine Haut von einer Krankheit befallen ist, was das Anbringen eines Senders zur technischen Verfolgung unmöglich macht.
Umweltschützer und Einsatzkräfte der Wasserschutzpolizei planen, die Beobachtung am morgigen Samstag fortzusetzen, vorausgesetzt, die Position des Wals kann ausgemacht werden. Eine Greenpeace-Sprecherin rief die Bevölkerung dazu auf, aktiv mitzuhelfen und Sichtungen des Wales entweder direkt zu melden oder in den sozialen Medien zu teilen. Die Befreiung von der Sandbank ist lediglich ein erster Schritt; die eigentliche Rettung sei erst dann vollzogen, wenn der Buckelwal wieder sicher im offenen Atlantik schwimme, betonte Lehmann.
