Inmitten wachsender internationaler Krisen suchen junge Menschen nach Orientierung. Besonders Abiturienten am Herbartgymnasium in Oldenburg stellen sich angesichts täglicher Schreckensnachrichten existenzielle Fragen: Was, wenn Deutschland von einem Krieg betroffen wäre? In dieser unsicheren Zeit lädt die Schulleitung Jugendoffiziere der Bundeswehr ein, um einen Dialog zu ermöglichen. Hauptmann Florian Kröger tritt im Politik-Wirtschaft-Kurs auf. Die Teilnahme ist freiwillig, doch die Politiklehrerin Kerstin Weber-Brudvik sieht den Besuch als essenziell an, um den Schülern angesichts der unübersichtlichen Weltlage fundierte Informationen zu bieten und ihre Handlungsfähigkeit zu stärken. Die Oberstufenschüler gelten als mündig genug, sich ein eigenes Bild zu machen.
Zwölf junge Frauen und sechs junge Männer haben sich an diesem Morgen eingefunden, bereit, sich den großen sicherheitspolitischen Themen zu stellen. Jugendoffizier Kröger ermutigt die Klasse explizit, auch kritische Fragen zu stellen, betont, dass auch er stets dazulernt. Eine der prägnantesten Fragen kommt von dem 19-jährigen Finn, der wissen möchte, ob man mental darauf vorbereitet werde, für das Vaterland sein Leben zu geben. Kröger revidiert die Perspektive: Im Einsatz kämpfe man weniger für das Vaterland, sondern vielmehr für die Kameraden an seiner Seite. Kröger betont die strikte Trennung von Information und Personalgewinnung; Werbung für die Bundeswehr ist untersagt. Die Trennung leuchtet allerdings nicht allen Schülern sofort ein.
Überraschenderweise ist es nicht der Ukraine-Krieg, der die Abiturienten am meisten umtreibt, sondern der Konflikt im Iran. Julian und Alizia äußern ihre tiefe Beunruhigung, besonders nach den jüngsten Eskalationen, die sich “sehr, sehr nah angefühlt” hätten. Sie diskutieren völkerrechtliche Aspekte, den Beistandsfall für die NATO und die Pro- und Contra-Argumente für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht. Die Schüler, Jahrgang 2007, sind von neuen Wehrdienst-Regelungen noch nicht direkt betroffen, zeigen aber verhaltenes Kopfschütteln auf die Frage nach einem freiwilligen Dienst. Alizia könnte sich eher vorstellen auszuwandern. Julian und Finn ringen mit einem moralischen Dilemma: die persönliche Konzentration versus den Einsatz für das Land, die Bereitschaft zur Gewaltanwendung.
Diese jungen Menschen schrecken nicht davor zurück, die großen ethischen und politischen Fragen unserer Zeit zu verhandeln. Sie sind eine Generation, die in relativer Ruhe und Frieden aufgewachsen ist und nun mit der harten Realität globaler Konflikte konfrontiert wird. Ihre Lebenspläne nach dem Abitur – Studium der Chemie, Medizin – liegen fernab einer militärischen Laufbahn. An die Politik formulieren sie eine klare Erwartung: Friederike bringt es auf den Punkt, dass die Angst deutlich geringer wäre, wenn man als Bürger aktiv wüsste, was im Falle eines Krieges passiert und welche Handlungsmöglichkeiten es gibt. Es fehle aktuell an der Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft, um Transparenz und ein Gefühl der Kontrolle zu vermitteln.

