Inmitten globaler Konflikte und Krisen haben die christlichen Kirchen in Deutschland zu Ostern eindringlich zu Frieden und Versöhnung aufgerufen. Die traditionellen Osterbotschaften wurden in diesem Jahr von einer verstärkten Betonung der Hoffnung und des Lebens als Gegenpol zu den Schatten von Krieg und Leid geprägt. Führende Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) nutzten die Feiertage, um die tröstende Kraft der Auferstehung zu vermitteln und Gläubige zum aktiven Engagement zu ermutigen.
Bischöfin Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der EKD, hob hervor, dass die Osterbotschaft eine unverzichtbare Quelle von Hoffnung und Halt in Zeiten wachsender Verunsicherung sei. Sie bezeichnete die Auferstehung Jesu als “eine der machtvollsten Hoffnungsgeschichten”, die die Zuversicht stärke, dass das Leben triumphiere, selbst inmitten des aktuellen Elends. Ähnlich äußerte sich der Bremer Kirchenpräsident Bernd Kuschnerus, der Ostern als “Gegenbewegung zu den Kräften des Todes” verstand. Er mahnte, nicht zu schweigen, wenn Machtgier und Gewalt das Recht des Stärkeren propagieren oder Menschengruppen ausgegrenzt werden. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister unterstrich zudem die Bedeutung von Ritualen und Traditionen, die den Menschen Halt geben, um die tiefgreifenden Fragen der Auferstehung zu erfassen.
Auch die katholische Kirche betonte die rebellische Natur der Osterbotschaft. Bischof Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, nannte die Auferstehung eine “skandalöse Idee” und eine “Rebellion gegen den Tod”, die bewusst gegen jede Hoffnungslosigkeit stehe. Er ermutigte die Gläubigen, auch in widrigen Umständen an dieser Hoffnung festzuhalten, da die christliche Botschaft der Vorstellung widerspreche, dass das Leben mit dem Tod ende. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx rief in der Osternacht dazu auf, sich im Einsatz für Frieden und Solidarität nicht entmutigen zu lassen. Er betonte, dass die Hoffnung auf eine bessere Welt keine Illusion sei, sondern realistisch und dringend notwendig. Papst Leo XIV. feierte derweil seine erste Osternacht als Oberhaupt der katholischen Kirche und trug beim Kreuzweg, anders als sein Vorgänger, das Kreuz selbst.
Die einhelligen Botschaften der Kirchenführer aus unterschiedlichen Konfessionen zeichnen ein klares Bild: Ostern ist mehr als ein Fest – es ist ein Aufruf zu innerer Stärke und äußerem Handeln. Sie ermutigen dazu, sich aktiv gegen Egoismus, Hass und Verschwörungstheorien zu stellen und eine Welt des Friedens, der Solidarität und der Gerechtigkeit mitzugestalten. Die jährlichen Demonstrationen von Friedensaktivisten an den Kar- und Ostertagen in Deutschland spiegeln diese Haltung wider und zeigen, dass die österliche Botschaft des Sieges des Lebens über den Tod eine zeitlose und hochaktuelle Relevanz besitzt, die zum Engagement für eine humane Gesellschaft auffordert.

