Ein massiver Datenabfluss sorgt bei der Alternative für Deutschland (AfD) für neue Unruhe. Mehr als 421.000 interne E-Mails und etwa 48.000 Dokumente sollen aus dem Umfeld der Partei gestohlen und veröffentlicht worden sein. Die Dateien reichen von November 2013 bis September 2026. Zusammen umfassen sie rund 281 Gigabyte. Erste Auswertungen zeigen offenbar interne Auseinandersetzungen, umstrittene Kontakte und Aussagen, die nicht immer zu den öffentlichen Erklärungen führender Parteimitglieder passen.
Die Veröffentlichung trifft die AfD in einer Phase wachsender politischer Stärke. Bei der jüngsten Wahl in Sachsen-Anhalt erhielt die Partei fast 44 Prozent der Stimmen. In Mecklenburg-Vorpommern erreichte sie 38,2 Prozent. Auch bundesweit liegt sie in Umfragen weit vorn. Gleichzeitig verliert die Union von Bundeskanzler Friedrich Merz an Zustimmung. Mit Blick auf die für den 30. Januar 2027 angesetzte Präsidentschaftswahl könnte der Datenfund daher zu einem wichtigen politischen Thema werden.
Die AfD bestätigte am 21. Oktober, dass sie Opfer eines Hackerangriffs geworden sei. Die Partei kündigte an, mit den zuständigen Behörden zusammenzuarbeiten. Ziel sei es, die Täter zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen. Gleichzeitig erklärte sie, dass einige der veröffentlichten Dateien möglicherweise gefälscht seien. Konkrete Beispiele oder Belege für diese Behauptung nannte sie jedoch nicht.
Auch auf Fragen zur Echtheit bestimmter E-Mails wollte die Partei nicht näher eingehen. Stattdessen appellierte sie an Medien, die gestohlenen Inhalte nicht zu verbreiten. Die bisherigen Veröffentlichungen haben trotzdem eine neue Diskussion über den Umgang der AfD mit rassistischen und rechtsextremen Positionen ausgelöst.
Nach den ersten Berichten finden sich in den Dateien rassistische Ausdrücke und nationalsozialistische Sprache. Eine der veröffentlichten Nachrichten soll eine Weihnachtskarte mit einem Hakenkreuz und dem Gruß „Heil Hitler“ zeigen. Solche Inhalte könnten für die Partei besonders belastend sein. Sie werfen Fragen über die politische Haltung einzelner Mitglieder und den Umgang der Führung mit extremistischen Aussagen auf.
Der Bundesverfassungsschutz verfolgt die Entwicklung ebenfalls. Die Behörde beobachtet die AfD bereits wegen ihrer rechtsextremen Ausrichtung. Die neuen Dokumente könnten zusätzliche Informationen über parteiinterne Strukturen und Kontakte liefern. Allerdings muss zunächst geklärt werden, welche Dateien authentisch sind und ob Inhalte verändert wurden.
Im Mittelpunkt steht auch die Situation in Sachsen-Anhalt. Dort soll der AfD-Landespolitiker Ulrich Siegmund vier frühere Mitglieder der verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend in sein enges Umfeld aufgenommen haben. Die Organisation war rechtsextrem und orientierte sich an der Hitlerjugend. Zudem sollen Personen aus dem Umfeld des Landesverbands Kontakte zu Menschen gepflegt haben, die rechtsextreme Symbole tragen oder entsprechende Tätowierungen besitzen.
Die AfD steht außerdem wegen ihrer Forderung nach sogenannter Remigration in der Kritik. Die Partei verwendet diesen Begriff für politische Maßnahmen gegen irreguläre Migration und zur Rückführung von Menschen. Kritiker warnen jedoch, dass das Konzept auch Menschen mit Einwanderungsgeschichte betreffen könnte, die deutsche Staatsbürger sind. Sie sehen darin eine Gefahr für gleiche Rechte und gesellschaftliche Teilhabe.
Auch AfD-Chef Tino Chrupalla geriet wegen einer Äußerung in den Fokus. Bei einer Rede über Waffen, die angeblich mit russischen Geheimdienstaktivitäten verbunden waren, soll er einen abwertenden Begriff für Sinti und Roma benutzt haben. Nach seiner Darstellung seien die Waffen von „Zigeunern“ zurückgelassen worden, die in einem Wald Pilze sammelten. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma reagierte mit einer Strafanzeige wegen des Verdachts der Volksverhetzung.
Weitere Einblicke betreffen die frühere interne Haltung von Alice Weidel zu Björn Höcke. E-Mails aus den Jahren 2015 bis 2017 sollen zeigen, dass Weidel dessen Aussagen kritisch bewertete. Sie habe befürchtet, dass seine rassistischen Positionen gemäßigte Wähler abschrecken könnten. Auch die Verwendung des Begriffs „Volksgemeinschaft“ habe sie als Risiko betrachtet, weil dadurch der Verfassungsschutz stärker auf die Partei aufmerksam werden könnte.
Weidel soll versucht haben, Höcke aus der AfD auszuschließen. Der Versuch scheiterte jedoch. In anderen Nachrichten sprach sie sich demnach für den Ausschluss des damaligen Parteimitglieds Wolfgang Gedeon aus. Zuvor waren antisemitische Schriften von ihm bekannt geworden. Weidel soll gewarnt haben, dass die Partei dadurch Mitglieder verlieren und schwerer zu kontrollieren sein könnte.
Höcke selbst ist seit Jahren wegen seiner Aussagen zur deutschen Geschichte umstritten. Er bezeichnete das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ und forderte, Deutschland solle einen Schlussstrich unter die Aufarbeitung der NS-Verbrechen ziehen. Außerdem wurde er zweimal wegen der Verwendung der verbotenen nationalsozialistischen Parole „Alles für Deutschland“ verurteilt.
Die veröffentlichten Daten könnten die AfD noch länger beschäftigen. Neben der Frage nach der Sicherheit ihrer digitalen Systeme steht nun auch ihr Umgang mit extremistischen Positionen erneut im Mittelpunkt. Solange die Echtheit der Dokumente nicht vollständig geklärt ist, bleiben einzelne Vorwürfe offen. Die politische Wirkung des Datenlecks dürfte dennoch anhalten.

