General Carsten Breuer übernimmt im Sommer 2027 eine wichtige Führungsrolle bei der NATO. Die Verteidigungschefs der 32 Mitgliedstaaten wählten den deutschen General am Samstag zum neuen Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses. Er folgt auf den italienischen Admiral Giuseppe Cavo Dragone.
Die Wahl fand bei einem Treffen der NATO-Verteidigungschefs in Kopenhagen statt. Dragone bestätigte die Entscheidung und gratulierte Breuer zu seiner neuen Aufgabe. Er verwies auf dessen Erfahrung und seine lange Arbeit mit den Streitkräften des Bündnisses.
Der NATO-Militärausschuss ist das höchste militärische Gremium der Allianz. Die obersten Militärs der Mitgliedstaaten beraten dort über wichtige Fragen der Verteidigung. Der Vorsitzende hat zudem eine zentrale Beratungsrolle für NATO-Generalsekretär Mark Rutte.
Breuer wird das Amt in einer Zeit großer Veränderungen übernehmen. Die NATO arbeitet an neuen Plänen für die Verteidigung Europas. Dabei geht es auch um die künftige Rolle der europäischen Staaten innerhalb des Bündnisses.
US-Präsident Donald Trump hat die europäischen NATO-Mitglieder wiederholt aufgefordert, mehr für ihre eigene Verteidigung zu tun. Nach seinen Forderungen sollen die europäischen Länder einen größeren Teil der militärischen Last tragen.
Viele Staaten haben ihre Verteidigungsausgaben deshalb bereits erhöht. Auch der Krieg in der Ukraine hat diese Entwicklung beschleunigt. Russland begann 2022 seinen umfassenden Angriff auf die Ukraine. Seitdem haben mehrere europäische Länder ihre militärischen Pläne angepasst.
Deutschland gehört dabei zu den Ländern mit großen neuen Ausgaben. Berlin plant, die jährlichen Militärausgaben bis 2030 auf mehr als 200 Milliarden Euro zu erhöhen. Die Bundesregierung will damit die Bundeswehr stärken und neue Fähigkeiten aufbauen.
Breuer bringt für seine neue Aufgabe eine lange militärische Laufbahn mit. Der 61-jährige General trat 1984 in die Bundeswehr ein. Er begann seinen Dienst bei einer Luftabwehreinheit des Heeres.
Im Laufe seiner Karriere übernahm Breuer verschiedene Aufgaben in Deutschland und im Ausland. Er besuchte eine US-Generalstabsschule in Fort Leavenworth im Bundesstaat Kansas. Zudem absolvierte er die deutsche Generalstabsausbildung in Hamburg.
Auch internationale Einsätze gehören zu seiner Erfahrung. Im Jahr 2014 diente Breuer bei der NATO-geführten International Security Assistance Force in Kabul. Der Einsatz in Afghanistan war damals ein wichtiger Teil der internationalen Sicherheitsmission.
In Deutschland wurde Breuer auch durch seine Arbeit während der Corona-Pandemie bekannt. Der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz setzte ihn 2021 an die Spitze eines Krisenstabs. Breuer half dort bei der Koordination der deutschen Reaktion auf die Pandemie.
Diese Aufgabe brachte ihm den Spitznamen „Kanzlergeneral“ ein. Später übernahm Breuer weitere wichtige Aufgaben innerhalb der Bundeswehr. Heute ist er Deutschlands oberster Soldat und berät die politische Führung in Fragen der Verteidigung.
Als Vorsitzender des NATO-Militärausschusses wird Breuer künftig eng mit den Verteidigungschefs der Mitgliedstaaten arbeiten. Er wird militärische Einschätzungen zu wichtigen Fragen abgeben und die politische Führung des Bündnisses beraten.
Sein Amtsantritt fällt mit einem starken Ausbau der europäischen Verteidigung zusammen. Die NATO-Staaten müssen ihre Streitkräfte weiterentwickeln. Zugleich müssen sie ihre gemeinsamen Pläne an die Sicherheitslage in Europa anpassen.
Auch in Deutschland wird Breuers Wechsel Folgen haben. Generalleutnant Christian Freuding soll voraussichtlich seine bisherige Aufgabe übernehmen. Freuding könnte noch vor Ende des Jahres neuer Generalinspekteur der Bundeswehr werden.
Damit steht der deutschen Armee ebenfalls ein Führungswechsel bevor. Breuers Wechsel zur NATO schafft zugleich Raum für eine neue militärische Führung in Berlin.
Für die NATO ist die Wahl ein wichtiger personeller Schritt. Breuer wird künftig an der Spitze des höchsten militärischen Gremiums der Allianz stehen. Er übernimmt die Aufgabe zu einem Zeitpunkt, an dem Europas Verteidigung, die Rolle der USA und die Zukunft der NATO besonders stark diskutiert werden.

