Ein deutscher Bundestagsabgeordneter will Polnisch an Schulen nahe der polnischen Grenze stärker fördern. Nach seinem Vorschlag soll die Sprache in bestimmten Regionen sogar verpflichtend unterrichtet werden. Ziel ist eine engere Verbindung zwischen Menschen und Unternehmen auf beiden Seiten der Grenze.
Knut Abraham, Abgeordneter der CDU, stellte die Idee bei einem deutsch-polnischen Bürgerforum in Löcknitz vor. Die Veranstaltung fand Anfang September statt. Über seine Aussagen berichtete die Regionalzeitung Nordkurier.
Abraham ist nicht nur Bundestagsabgeordneter. Er ist auch Koordinator der Bundesregierung für die zivile und grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Polen. Daher beschäftigt er sich seit längerer Zeit mit den Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern.
Sein Vorschlag sieht einen geografischen Korridor entlang der deutsch-polnischen Grenze vor. Dort könnten Schulen verpflichtet werden, die Sprache des jeweiligen Nachbarlandes zu unterrichten. Damit würde Polnisch in deutschen Grenzregionen einen größeren Platz im Schulalltag bekommen.
Für Abraham spielt die geografische Nähe eine zentrale Rolle. Löcknitz liegt im Nordosten Deutschlands. Die polnische Stadt Stettin ist nur rund 25 Kilometer entfernt. Viele Menschen in der Region haben daher direkten Kontakt zu Polen.
Abraham betont, dass Englisch diese besondere Nähe nicht ersetzen könne. Englisch ist an deutschen Schulen weit verbreitet. Polnisch könne jedoch für Kinder in der Grenzregion einen direkten praktischen Nutzen haben.
Die Idee ist in Löcknitz nicht völlig neu. Dort gibt es bereits eine deutsch-polnische weiterführende Schule. Sie bietet integrierte Klassen für Schüler aus beiden Ländern an. Deutsche Schüler können Polnisch zudem als Wahlfach lernen.
Abraham setzt sich seit Jahren für einen stärkeren Polnischunterricht in deutschen Grenzgebieten ein. Dabei verweist er nicht nur auf kulturelle Kontakte. Auch wirtschaftliche Gründe seien wichtig.
Die Grenzregionen sind eng miteinander verbunden. Menschen fahren über die Grenze. Firmen arbeiten mit Partnern im Nachbarland zusammen. Sprachkenntnisse können solche Kontakte erleichtern. Sie können auch für junge Menschen bei der Suche nach Ausbildung und Arbeit wichtig sein.
Nicht alle Eltern sehen Polnisch jedoch als erste Wahl. Einige bevorzugen Spanisch als zweite Fremdsprache. Andere Eltern haben Sorge, dass ihre Kinder mit Polnisch Schwierigkeiten bekommen und dadurch schlechtere Noten erreichen könnten.
Abraham hält diese Bedenken angesichts der Lage der Region für diskutierbar. Bei dem Bürgerforum stellte er die Frage, wann zuletzt ein Spanier durch die Gegend gekommen sei. Damit wollte er die unmittelbare Nähe Polens hervorheben.
Auch die Schulen sehen Interesse an weiteren Angeboten. Eine Schulleiterin in Löcknitz erklärte, dass etwa die Hälfte der mehr als 200 Schüler polnische Wurzeln habe. Die Nachfrage nach Polnisch sei daher vorhanden.
Die Schule bietet verschiedene Formen des Unterrichts an. Schüler mit polnischem Hintergrund können Polnisch als Muttersprache lernen. Für deutsche Kinder gibt es Polnisch als Fremdsprache.
Das Angebot stößt jedoch auf praktische Grenzen. Es fehlen Lehrkräfte und Unterrichtsstunden. Wenn Schulen ihren Unterricht kürzen müssen, werden zusätzliche Sprachangebote laut der Schulleitung häufig zuerst gestrichen.
Gleichzeitig fragen Eltern nach mehr Möglichkeiten. Die Schulleitung berichtet von einer klaren Nachfrage. Das zeigt, dass Polnisch für viele Familien in der Grenzregion bereits eine wichtige Rolle spielt.
Die Debatte über Polnischunterricht berührt damit mehrere Bereiche. Es geht um Bildung, den Alltag an der Grenze und die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen. Auch wirtschaftliche Kontakte spielen eine Rolle.
Ob Polnisch in den betroffenen Regionen tatsächlich zum Pflichtfach wird, ist noch offen. Abrahams Vorschlag soll jedoch eine stärkere Ausrichtung der Schulen auf die besondere Situation an der deutsch-polnischen Grenze anstoßen.

