Deutschland und die Niederlande wollen die Entwicklung neuer KI-Chips in Europa vorantreiben. Beide Länder stellen dafür 40 Millionen Euro bereit. Das Geld soll über 20 Monate in ein gemeinsames Forschungsprojekt fließen.
An dem Projekt sind zwei staatliche Innovationsagenturen beteiligt. Die niederländische National Agency for Disruptive Innovation, kurz NADI, arbeitet mit der deutschen Bundesagentur für Sprunginnovationen, SPRIND, zusammen.
Das Ziel ist die schnellere Entwicklung von Chips für künstliche Intelligenz. Kleine Teams sollen dabei neue Methoden testen. Sie sollen künstliche Intelligenz auch nutzen, um den Entwurf der Chips zu beschleunigen.
Der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten kündigte die Zusammenarbeit am 23. September an. Er sieht in der Kooperation einen wichtigen Schritt für die technologische Entwicklung Europas.
Europa will seine Abhängigkeit von Technologien aus den USA und China verringern. Besonders bei künstlicher Intelligenz und Halbleitern bestehen große Abhängigkeiten. Die neuen Pläne sollen dazu beitragen, europäische Fähigkeiten in diesen Bereichen auszubauen.
Jetten betonte, dass Europa nicht jedes Land einzeln arbeiten lassen könne. Gemeinsame Projekte könnten vorhandene Fähigkeiten verbinden und neue Entwicklungen schneller voranbringen.
NADI wurde erst in diesem Monat gegründet. Die niederländische Regierung stellte für die neue Agentur 500 Millionen Euro bereit. NADI soll Projekte mit hohem technischem Risiko und großem langfristigem Potenzial unterstützen.
Die neue Behörde wird mit der US-Agentur DARPA verglichen. DARPA entstand 1958 als Reaktion auf den Start des sowjetischen Satelliten Sputnik. Die Behörde unterstützte später Forschungsarbeiten, die zu wichtigen Technologien beitrugen.
Für NADI sind Halbleiter ein besonders interessantes Feld. Die Niederlande verfügen über ein starkes Umfeld für die Halbleiterindustrie. Dazu gehört auch der Maschinenbauer ASML. Deutschland besitzt zugleich umfangreiche Forschungs- und Fertigungskapazitäten.
Jelle Prins, Mitgründer von NADI, bezeichnete Chips daher als einen natürlichen Schwerpunkt. Beide Länder können ihre unterschiedlichen Stärken in einem gemeinsamen Projekt verbinden.
Das neue Vorhaben konzentriert sich auf Chips für KI-Modelle. Dabei geht es sowohl um das Training als auch um die Inferenz. Beim Training wird ein KI-Modell mit großen Datenmengen entwickelt. Inferenz bezeichnet den späteren Betrieb eines fertigen Modells.
Für diese Aufgaben sind leistungsfähige Chips nötig. Allerdings können spezielle Chips bei bestimmten Anwendungen effizienter sein. Genau hier soll das neue Projekt ansetzen.
Prins verwies auf Nvidia als Beispiel. Die Chips des Unternehmens sind besonders leistungsfähig und werden häufig für KI eingesetzt. Nach seiner Einschätzung sind sie bei bestimmten Inferenzaufgaben jedoch nicht immer besonders effizient.
Die beteiligten Teams sollen deshalb neue Chipdesigns untersuchen. Künstliche Intelligenz soll ihnen dabei helfen, verschiedene Entwürfe schneller zu entwickeln und zu prüfen.
Auch SPRIND sieht darin eine große technische Chance. Jano Costard, Leiter des Challenge-Bereichs der deutschen Agentur, erklärte, dass der Entwurf eines neuen Chips heute Jahre dauern könne.
Das Projekt soll untersuchen, ob sich diese Zeit deutlich verkürzen lässt. Das Ziel ist eine wesentlich schnellere Entwicklung neuer Designs. Welche technischen Lösungen am Ende erfolgreich sind, ist noch offen.
Die 40 Millionen Euro werden auf mehrere kleine Teams verteilt. Dadurch können verschiedene Ansätze gleichzeitig untersucht werden. Die Teams sollen innerhalb von 20 Monaten Ergebnisse liefern.
Deutschland und die Niederlande sind Teil eines größeren europäischen Trends. Frankreich gründete 2018 eine eigene Innovationsagentur für den Verteidigungsbereich. Deutschland gründete SPRIND 2019. Großbritannien folgte 2023 mit einer eigenen Forschungsagentur.
Mit NADI haben nun auch die Niederlande eine staatliche Organisation für disruptive Innovation. Die Agentur soll Projekte fördern, die neue Technologien voranbringen können.
Das gemeinsame Chipprojekt verbindet dabei die Stärken beider Länder. Die Niederlande bringen ihr Halbleiterumfeld und ihre Erfahrung mit wichtigen Produktionsanlagen ein. Deutschland steuert Forschung und industrielle Fähigkeiten bei.
Für Europa geht es zugleich um technologische Eigenständigkeit. Neue Fähigkeiten bei KI-Chips könnten langfristig helfen, die Abhängigkeit von ausländischen Technologien zu verringern.
Zunächst steht jedoch die Forschung im Mittelpunkt. Die kommenden 20 Monate sollen zeigen, ob KI den Chipentwurf deutlich schneller machen kann. Das Projekt könnte damit einen weiteren Schritt beim Aufbau europäischer Fähigkeiten im KI-Chipdesign markieren.

