Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) schlägt Alarm und warnt vor einem drastischen Anstieg der Spritpreise in Deutschland. TIV-Sprecher Herbert Rabl prognostiziert, dass der Literpreis für Kraftstoff in naher Zukunft sogar die Marke von 2,50 Euro überschreiten könnte. Diese besorgniserregende Entwicklung wird maßgeblich auf den jüngsten Anstieg des Ölpreises zurückgeführt. Ein Fass Rohöl der Nordseemarke Brent erreichte zuletzt fast 120 Dollar, den höchsten Stand seit der Energiekrise 2022. Rabl befürchtet, dass diese Erhöhung umgehend und überproportional an die Verbraucher weitergegeben wird.
Der TIV-Sprecher kritisiert scharf das Vorgehen der Ölkonzerne, die seiner Ansicht nach den deutschen Markt als Testfeld nutzen, um die Grenzen der Preiserhöhungen auszuloten. Während die Konzerne sprudelnde Gewinne verzeichnen, blieben die Tankstellenpächter, die den Ärger der Kunden abbekommen, weitgehend unbeteiligt – oft mit einer Provision von lediglich ein bis zwei Cent pro verkauftem Liter. Zudem würden die hohen Preise das sogenannte Shop-Geschäft an den Tankstellen beeinträchtigen, welches rund 60 Prozent der Einnahmen ausmacht und somit existenziell für viele Betreiber ist. Die steigenden Rohölpreise werden laut Rabl unmittelbar in höhere Endverbraucherpreise umgemünzt, ohne dass die Pächter davon profitieren.
Es ist jedoch nicht allein der Rohölpreis, der den Spritpreis bestimmt. Auch Faktoren wie Wechselkurse, staatliche Abgaben sowie Raffinerie- und Transportkosten spielen eine Rolle. Laut Rabl sind die Spritpreise in Deutschland in der vergangenen Woche so stark gestiegen wie nirgendwo sonst in Europa. Er sieht Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in der Verantwortung und äußert die Vermutung, dass die Konzerne von ihr “nichts zu befürchten haben”. Reiche hatte zwar eine Prüfung der Preissprünge durch das Bundeskartellamt angekündigt, doch dessen Präsident Andreas Mund betonte bereits die eingeschränkten Möglichkeiten der Behörde, geopolitisch bedingten Preissteigerungen entgegenzuwirken.
Angesichts dieser Situation empfiehlt der Tankstellenverband die Einführung einer Regelung nach österreichischem Vorbild. Dort ist es den Konzernen nur gestattet, die Preise einmal täglich zu erhöhen, danach dürfen sie den Preis lediglich absenken. Diese Maßnahme könnte die Preisschwankungen und unbegründeten Aufschläge eindämmen. Derzeit liegt der Spritpreis in Österreich bei vergleichsweise moderaten 1,70 Euro pro Liter, was die Wirksamkeit einer solchen Regulierung unterstreicht. Eine politische Umsetzung dieser Empfehlung könnte den deutschen Autofahrern eine dringend benötigte Entlastung verschaffen und die Marktmechanismen fairer gestalten.

