Die Bundeswehr übernimmt eine wichtige Rolle beim Schutz der baltischen Staaten. Deutschland stationiert eine komplette Panzerbrigade dauerhaft in Litauen. Damit soll die NATO ihre Ostflanke besser gegen mögliche russische Angriffe absichern. Die Soldaten sollen nicht erst im Krisenfall eintreffen, sondern bereits vor Ort bereitstehen.
Die neue Einheit trägt den Namen Panzerbrigade 45. Sie wurde im Mai 2025 in Vilnius offiziell in Dienst gestellt. Bundeskanzler Friedrich Merz nahm an der Zeremonie teil. Er machte dabei deutlich, dass Deutschland die Sicherheit Litauens als Teil der eigenen Sicherheit betrachtet. Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte zuvor im litauischen Parlament zugesagt, dass deutsche Soldaten das Land im Ernstfall gemeinsam mit den litauischen Streitkräften verteidigen würden.
Der Aufbau der Brigade ist eine direkte Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage in Europa. Russland begann im Februar 2022 seinen umfassenden Angriff auf die Ukraine. Seitdem wächst in den baltischen Staaten die Sorge vor weiteren militärischen Aktionen Moskaus. Litauen verlangte deshalb stärkere Garantien von seinen NATO-Partnern.
Deutschland führt bereits seit 2017 eine multinationale NATO-Truppe in Litauen. Soldaten aus acht weiteren Ländern wechseln sich dort mit deutschen Einheiten ab. Die dauerhafte Stationierung einer ganzen Brigade geht jedoch deutlich weiter. Für die Bundeswehr ist es der erste permanente Auslandseinsatz dieser Größenordnung seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die Panzerbrigade 45 soll mit moderner Ausrüstung arbeiten. Zu ihrem Arsenal gehören Leopard-2-A8-Kampfpanzer, Puma-Schützenpanzer und Panzerhaubitzen 2000. Auch verschiedene Drohnensysteme werden eingesetzt. Sie sollen feindliche Stellungen aufklären und bei Bedarf Angriffe unterstützen. Die Brigade besteht aus Kampfverbänden aus Bayern und Nordrhein-Westfalen. Artillerie, Aufklärung, Pioniere und Logistik ergänzen die Truppe.
Ein wichtiger Teil der Vorbereitung findet auf dem Militärgelände in Rukla statt. Dort üben deutsche Soldaten gemeinsam mit internationalen Partnern. Auch norwegische Einheiten nehmen an den Manövern teil. Die Übungen finden oft unter schwierigen Bedingungen statt. Regen, Schlamm und schlechte Sicht gehören zum Trainingsalltag. Die Soldaten müssen dabei lernen, auch unter Druck als gemeinsame Einheit zu handeln.
Besondere Bedeutung hat die Suwałki-Lücke. Der rund 65 Kilometer breite Landkorridor liegt zwischen Polen und Litauen. Er verbindet die baltischen Staaten mit dem übrigen NATO-Gebiet. Militärplaner sehen ihn als einen besonders wichtigen Abschnitt. Sollte Russland versuchen, diese Verbindung zu unterbrechen, könnten Estland, Lettland und Litauen vom Rest des Bündnisses abgeschnitten werden.
In der Nähe liegt die russische Exklave Kaliningrad. Das Gebiet befindet sich zwischen Polen und Litauen an der Ostsee. Russland hat dort seit 2016 Iskander-Kurzstreckenraketen stationiert. Diese können auch nukleare Sprengköpfe tragen. Westliche Geheimdienste vermuten zudem, dass Moskau Atomwaffen in der Region lagert.
Eine Analyse des Baltic International Security Centre deutet jedoch darauf hin, dass Russland seine konventionellen Streitkräfte in Kaliningrad geschwächt haben könnte. Moskau soll Soldaten und Luftabwehrsysteme für den Krieg gegen die Ukraine abgezogen haben. Der Sicherheitsexperte Edward Lucas weist darauf hin, dass die militärische Bedeutung der Exklave dennoch nicht unterschätzt werden sollte.
Kaliningrad spielt auch bei hybriden Aktivitäten eine Rolle. Dazu gehören Störungen von GPS-Signalen, Propaganda und andere elektronische Operationen. Russland hat zudem vor einer möglichen NATO-Blockade des Gebiets gewarnt. Solche Aussagen erhöhen die Spannungen in der Region.
Auch die litauische Bevölkerung erlebt die Folgen der Sicherheitslage. Im Mai erhielten Menschen in Vilnius eine Warnmeldung auf ihren Mobiltelefonen. Wegen möglicher Drohnenaktivitäten nahe der Grenze zu Belarus sollten sie Schutz suchen. Im September schoss ein italienischer NATO-Kampfjet eine Drohne über Litauen ab. Ukrainische Militärquellen identifizierten die Trümmer als Geran-2, einen russischen Angriffsdrohnentyp.
Der Alarm im Mai zeigte zugleich Probleme beim Zivilschutz. Einige Schutzräume waren verschlossen oder in schlechtem Zustand. Ministerpräsidentin Inga Ruginienė entschuldigte sich für die Mängel und kündigte eine Überprüfung an.
Mit der dauerhaften Stationierung der deutschen Brigade verändert sich die Verteidigungsplanung der NATO. Früher sollten kleinere Einheiten einen Angriff zunächst aufhalten, bis Verstärkung eintraf. Jetzt sollen kampfbereite Truppen und schwere Waffen von Anfang an vor Ort sein. Deutschland will damit einen möglichen Angriff abschrecken und die Verteidigung des Baltikums stärken.

