Manuel Hagel, der Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg, hatte nach der Wahlniederlage seinen Rücktritt angeboten. Dieses Angebot wurde jedoch von der Landespartei klar und einstimmig abgelehnt. Landesgeneralsekretär Tobias Vogt betonte, dass Führung auch Verantwortung bedeute und Hagel die CDU in allen anstehenden Gesprächen anführen werde. Diese Entscheidung signalisiert ein starkes Vertrauen der Partei in seine Führungskompetenz, trotz des Wahlausgangs, und sichert Hagels Position als Parteichef.
Bei der kürzlichen Wahl am Sonntag konnten die Grünen mit 30,2 Prozent knapp den ersten Platz vor der CDU mit 29,7 Prozent erreichen. Im neu zusammengesetzten Landtag werden beide Fraktionen jeweils 56 Mandate innehaben, was eine Pattsituation darstellt. Die SPD erlitt mit 5,5 Prozent deutliche Verluste. Angesichts dieser Konstellation gilt eine Fortführung der bestehenden Koalition aus Grünen und CDU als die derzeit einzig realistische Regierungsoption in Baden-Württemberg, um eine stabile Regierung zu bilden.
Die CDU erhebt schwere Vorwürfe gegen die Grünen und spricht von einer „Schmutzkampagne“ im Wahlkampf. Manuel Hagel selbst geriet wegen zweier Videos in die Kritik: Ein Clip aus dem Jahr 2018, in dem der damals 29-Jährige von einer Schülerin und ihren „rehbraunen Augen“ schwärmte, und ein zweites Video, das eine Auseinandersetzung mit einer Lehrerin bei einem Schulbesuch zeigte. CSU-Chef Markus Söder äußerte die Überzeugung, dass Hagel ohne diese Videos vor seinem Kontrahenten Cem Özdemir gelandet wäre. Grünen-Chefin Franziska Brantner wies diese Vorwürfe der Union jedoch entschieden zurück und stellte klar: „Es war keine Kampagne von uns.“
Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse und der gleichen Anzahl an Mandaten für CDU und Grüne im baden-württembergischen Landtag nach der Wahl brachte Bundestagsfraktionschef Jens Spahn (CDU) eine Teilung der Amtszeit des Ministerpräsidenten ins Spiel. Dieser Vorschlag wurde jedoch von Wahlsieger Cem Özdemir scharf zurückgewiesen. Özdemir betonte am Tag nach der Wahl in Stuttgart, dass selbst bei nur einer Stimme mehr klar sei, wer den Ministerpräsidenten stelle. Damit unterstrich er den Führungsanspruch der Grünen als stärkste Kraft.

