Die Beziehungen zwischen Deutschland und Georgien stehen vor einer schwierigen Zukunft. Die designierte deutsche Botschafterin Barbara Voss sprach in Tiflis über die Probleme der vergangenen Jahre. Zugleich betonte sie, dass Berlin die Zusammenarbeit mit Georgien nicht aufgeben will.
Voss äußerte sich beim Empfang zum Tag der Deutschen Einheit am 2. Oktober. Sie erinnerte an die lange Freundschaft zwischen beiden Ländern. Deutschland und Georgien hätten über viele Jahre enge und intensive Beziehungen aufgebaut.
Nach ihren Worten wurde ein Teil dieser gemeinsamen Arbeit in den vergangenen Jahren beschädigt. Voss sprach dabei auch über persönliche Verantwortung. Sie wolle sich dafür einsetzen, möglichst viel von den bisherigen Verbindungen zwischen beiden Ländern zu bewahren.
Die Diplomatin ist seit August in Georgien tätig. Sie folgte auf Peter Fischer. Seine Amtszeit endete Ende Juni. Während seiner Zeit als Botschafter waren die Beziehungen zwischen Deutschland und der georgischen Regierung zunehmend angespannt.
Voss verwies zunächst auf die Lage der Ilia-Staatsuniversität in Tiflis. Die Hochschule habe sich in den vergangenen 20 Jahren zu einer international bekannten Universität entwickelt. Deutschland habe dabei eine wichtige Rolle gespielt.
Deutsche Unterstützung half beim Aufbau von Forschung und Bildung an der Universität. Auch heute bestehen enge Kontakte zu deutschen Einrichtungen. Nach Ansicht von Voss ist die Zukunft der Universität jedoch durch neue Reformen gefährdet.
Die Änderungen im georgischen Hochschulsystem haben mehrere Programme der Universität getroffen. Voss nannte die Entwicklung als Beispiel für die Probleme, die derzeit die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern belasten.
Auch die deutschen politischen Stiftungen stehen vor Schwierigkeiten. Laut Voss mussten alle vier deutschen politischen Stiftungen ihre Arbeit in Georgien zeitweise einstellen. Grund dafür seien Entscheidungen der georgischen Regierung und neue Regeln für ausländische Finanzierungen.
Die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Friedrich-Naumann-Stiftung kündigten zuletzt die Schließung ihrer Büros in Tiflis an. Beide Organisationen hatten lange mit georgischen Partnern zusammengearbeitet.
Voss erklärte, sie wolle sich persönlich für den Erhalt der bisherigen Arbeit einsetzen. Dazu wolle sie auch das Gespräch mit der georgischen Regierung suchen. Trotz der politischen Unterschiede sieht sie weiter Möglichkeiten für gemeinsame Projekte.
Besonders wichtig bleiben Bildung und Forschung. Voss nannte Programme der Max Weber Stiftung und Projekte der Östlichen Partnerschaft. Auch Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes sollen weiter den Austausch zwischen den Ländern fördern.
Die deutsche Schule in Georgien soll ebenfalls weiter unterstützt werden. Berlin will auch künftig Mittel für Bildungsangebote und den Austausch junger Menschen bereitstellen.
Neben Bildung spielte die Sicherheit eine wichtige Rolle in der Rede. Voss sagte, Deutschland und Georgien hätten in diesem Bereich ähnliche Interessen. Sie verwies auf Russlands Vorgehen in Europa.
Nach ihren Worten setzt Russland auf Desinformation, Drohungen, Sabotage und militärische Gewalt. Georgien kenne die Folgen russischer Militäraktionen aus eigener Erfahrung.
Voss betonte deshalb die deutsche Unterstützung für die Souveränität und territoriale Integrität Georgiens. Berlin unterstütze auch das Recht des Landes, seine eigenen Sicherheitsentscheidungen zu treffen.
Die Zusammenarbeit mit den georgischen Streitkräften soll über NATO-Rahmen weiterlaufen. Ziel ist es, die Verteidigungsfähigkeit Georgiens zu stärken. Die Zusammenarbeit soll zudem zur Sicherheit im Südkaukasus und in Europa beitragen.
Auch bei der Entwicklungshilfe will Deutschland bestimmte Projekte fortsetzen. Voss nannte vor allem Umwelt- und Naturschutz. Gleichzeitig soll die Unterstützung der georgischen Zivilgesellschaft weiter möglich sein.
Beim Thema Europa zeigte Voss ebenfalls eine klare Hoffnung. Sie sagte, sie hoffe, dass Georgien in den kommenden Jahren wieder auf den europäischen Weg zurückkehren werde.
Die Beziehungen zwischen Berlin und Tiflis waren zuletzt von mehreren Konflikten geprägt. Fischer hatte die Politik der georgischen Regierung öffentlich kritisiert. Darauf folgten scharfe Reaktionen aus Tiflis. Auch deutsche Stellen verteidigten den Botschafter wiederholt.
Ein weiterer Streit betraf den georgischen Botschafter in Deutschland. Alexander Kartozia übergab seine Beglaubigungsschreiben erst am 23. Juli 2026 an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Seine Ernennung war bereits im Oktober 2025 erfolgt.
Georgische Regierungsvertreter hoffen nun auf eine Verbesserung der Beziehungen. Außenministerin Maka Botchorischwili erklärte zuvor, der Amtsantritt eines neuen deutschen Botschafters könne eine Chance für einen normalen Rahmen schaffen.
Voss setzt auf Dialog und praktische Zusammenarbeit. Ihre Rede zeigte jedoch auch, dass die politischen Unterschiede zwischen Deutschland und Georgien weiterhin bestehen.
Gleichzeitig bleiben gemeinsame Interessen vorhanden. Bildung, Forschung, Sicherheit und Umweltschutz bieten Möglichkeiten für weitere Kontakte. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob daraus wieder eine engere Partnerschaft entstehen kann.

