Das russische Regime, normalerweise redegewandt bei globalen Ereignissen, zeigt sich auffallend schweigsam zum eskalierenden Konflikt im Iran. Diese Zurückhaltung ist kein Zufall, denn Wladimir Putin gehört zu den wenigen Profiteuren des Irankriegs. Während die USA erhebliche Mengen an Kriegsgerät in den Nahen Osten verlegen, welches der Ukraine im Kampf gegen Russland dringend fehlen würde, fließt frisches Geld in Putins Kriegskasse. Der dramatische Anstieg des Ölpreises, ausgelöst primär durch die Blockade der Straße von Hormus, stärkt die russische Wirtschaft und finanziert den anhaltenden Krieg in der Ukraine. Dieser Umstand hat zudem Donald Trumps Interesse, einen Kompromiss im Ukrainekrieg zu vermitteln, rapide schwinden lassen, da der US-Präsident nun mit eigenen Problemen am Golf beschäftigt ist.
Donald Trump wurde im Vorfeld des Angriffs auf Iran gewarnt, dass ein Krieg unwahrscheinlich zu einem Machtwechsel in Teheran führen würde. Auch die Gefahr einer Blockade der Straße von Hormus wurde von Experten betont. Trotz dieser Warnungen schien Trump überzeugt, das iranische Regime schnell zur Kapitulation zwingen und die Führung austauschen zu können. Doch nun steckt er in einem Konflikt fest, den er innerhalb weniger Tage beenden wollte, ein Szenario, das schmerzlich an Wladimir Putins Fehleinschätzung 2022 in der Ukraine erinnert. In Trumps Umfeld bemüht man sich sichtlich um eine “off ramp”, wobei Außenminister Marco Rubio die Kriegsziele der USA enger fasst: die Zerstörung des iranischen Raketenprogramms und die Ausschaltung der Marine. Ob Trump diese Neudefinition der Mission akzeptiert, bleibt offen.
Die geopolitische Landschaft verändert sich rasant. Kanadas Ministerpräsident Mark Carney skizzierte in Davos die Züge einer neuen Weltordnung, in der die USA unter Donald Trump nicht länger als Garant einer regelbasierten Ordnung fungieren. Er forderte Mittelmächte wie Kanada und Deutschland auf, neue Allianzen zu schmieden. Diese Thesen finden auch bei Bundeskanzler Friedrich Merz Anklang. Merz sucht aktiv nach einem Platz für Deutschland in dieser globalen Ordnung, was seinen jüngsten Besuch in Norwegen unterstreicht. Bei diesem Treffen mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre geht es um engere Zusammenarbeit bei der Weltraumüberwachung, um die Abhängigkeit von US-Satellitendaten zu reduzieren. Am Nachmittag stößt Mark Carney hinzu, um gemeinsam eine NATO-Übung zu beobachten.
Das Großmanöver “Cold Response” in Norwegen, welches Merz, Støre und Carney beobachten, sendet ein klares Zeichen der Stärke an das Regime in Moskau. Gleichzeitig ist es aber auch eine unmissverständliche Botschaft an Washington. Die Übung soll demonstrieren, dass die NATO in der Lage ist, arktisches Gebiet wie Grönland eigenständig zu verteidigen. Damit wollen die beteiligten Länder Trumps Behauptung widerlegen, wonach nur die USA die Sicherheit der Insel garantieren können. Diese Manöver und diplomatischen Bemühungen sind Ausdruck einer sich neu formierenden Geopolitik, in der alte Bündnisse neu bewertet und neue Partnerschaften geschmiedet werden, um den Herausforderungen einer instabilen Welt zu begegnen.

