Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) hat Deutschland eindringlich vor drastischen Jobverlusten durch den Vormarsch der Künstlichen Intelligenz (KI) gewarnt. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ betonte Wildberger, dass die Ära der Industrie als Jobmotor ihrem Ende entgegengeht. Er richtete einen dringenden Appell an alle gesellschaftlichen Gruppierungen – Arbeitgeber, Gewerkschaften und die Zivilgesellschaft –, sich zusammenzuraufen und die Zukunft des Arbeitsmarktes neu zu gestalten. Wildberger unterstrich die Notwendigkeit, proaktiv auf die bevorstehenden Veränderungen zu reagieren und gemeinsam Strategien zu entwickeln, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern.
Trotz der prognostizierten Jobverluste sieht Wildberger in der KI auch eine Chance zur Schaffung neuer Arbeitsplätze, die es entschlossen zu nutzen gelte. Eine Ablehnung der KI-Technologie bezeichnete er als die „schlimmste aller Antworten“, da ihr Vormarsch nicht aufzuhalten sei. Stattdessen müsse Deutschland alles daran setzen, als Gesellschaft von den Vorteilen der KI zu profitieren. Wer durch KI seinen Arbeitsplatz verliere, brauche eine andere, sinnstiftende Betätigung. Wildberger betonte, dass Menschen ein fundamentales Bedürfnis nach sinnvollen Aktivitäten haben: „Kaum jemand kann doch nur zu Hause sitzen und Videos schauen, ohne verrückt zu werden.“
Um den Wandel erfolgreich zu gestalten, plädiert Wildberger für eine führende Anwendung der KI-Technologie in Deutschland. Dies sei eine Grundvoraussetzung, um ein überproportionales Wirtschaftswachstum zu generieren, das wiederum höhere Steuereinnahmen ermögliche. Diese zusätzlichen Einnahmen seien essentiell, um den Arbeitsmarkt umfassend umbauen und die sozialen Auswirkungen abfedern zu können. Ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) wurde dabei als eine mögliche Komponente zur Abfederung der Umwälzungen am Arbeitsmarkt ins Gespräch gebracht. Wildberger sieht darin einen Weg, den Menschen auch ohne traditionelle Erwerbstätigkeit eine Perspektive zu bieten.
Um im globalen Technologiewettlauf nicht den Anschluss zu verlieren, hat die Bundesregierung bereits Mitte Februar konkrete Maßnahmen angekündigt. Geplant ist ein massiver Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland. Das ambitionierte Ziel ist es, die Leistung allgemeiner Rechenzentren bis zum Jahr 2030 gegenüber 2025 mindestens zu verdoppeln. Noch signifikanter ist der geplante Ausbau im Bereich der Künstlichen Intelligenz: Die spezifischen KI-Kapazitäten sollen im selben Zeitraum sogar mindestens vervierfacht werden. Diese Investitionen sollen die Grundlage für Deutschlands Positionierung als führender KI-Standort schaffen und die digitale Transformation des Landes vorantreiben.

