Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den Einspruch des FC Bayern München gegen die Gelb-Rote Karte für Luis Díaz im Bundesliga-Spitzenspiel gegen Bayer Leverkusen als unbegründet abgewiesen. Die Entscheidung erfolgte im Einzelrichterverfahren und bedeutet, dass Díaz für das kommende Heimspiel des Tabellenführers gegen den 1. FC Union Berlin gesperrt ist. Obwohl die Münchner innerhalb von 24 Stunden nochmals Einspruch einlegen können, steht die erste Instanz fest. Die Ablehnung basiert auf dem Prinzip der Tatsachenentscheidung, welches im Fußball bei strittigen Szenen zur Anwendung kommt und nur unter sehr engen Voraussetzungen korrigiert werden kann.
Stephan Oberholz, Chef des DFB-Sportgerichts, begründete die Entscheidung damit, dass selbst eine nachträglich von TV-Bildern gestützte Korrektur nicht ausreicht. Er betonte, dass eine Tatsachenentscheidung nur dann aufgehoben werden kann, wenn sie “gravierend, offenkundig und ohne jeden Zweifel objektiv unrichtig” ist – ein Kriterium, das im Fall Díaz nicht erfüllt sei. Pikant ist dabei, dass Schiedsrichter Christian Dingert selbst nach der Partie einräumte, die zweite Gelbe Karte für Díaz, die zu dessen Platzverweis wegen einer vermeintlichen Schwalbe führte, bei Kenntnis der Fernsehbilder nicht gegeben zu haben. Diese Aussage des Unparteiischen änderte jedoch nichts an der sportgerichtlichen Bewertung.
Die Reaktion der Bayern auf den Platzverweis und die anfängliche Bestätigung durch den Schiedsrichter war heftig. Ehrenpräsident Uli Hoeneß sprach von der “schlechtesten Leistung eines Schiedsrichter-Teams”, die er je erlebt habe, während Vorstandschef Jan-Christian Dreesen vom DFB forderte, “das Niveau der Leistungen seiner Schiedsrichter zu verbessern”. Diese scharfe Kritik des Rekordmeisters an den Unparteiischen sorgte bundesweit für Diskussionen und unterstrich die hohe emotionale Aufladung rund um die Szene und die Konsequenzen für den wichtigen Offensivspieler.
Der frühere Nationalspieler und Bayern-Profi Dietmar Hamann äußerte wiederum großes Unverständnis für das aggressive Vorgehen der Bayern-Führung. Er kritisierte, dass ein “Weltverein” auch in einer vermeintlichen Niederlage – die es ja nicht einmal war, da das Spiel 1:1 endete – Respekt und Würde zeigen müsse, auch wenn Fehler gemacht werden. Hamann warnte zudem vor den negativen Auswirkungen solcher öffentlichen Kritik auf die Schiedsrichterzunft: “Wir haben große Probleme, dass wir junge Schiedsrichter finden, weil keiner mehr pfeifen will, weil es körperliche Angriffe gibt. Und das befeuert das doch nur”, so Hamann, der damit auf die übergeordnete Problematik der Nachwuchsgewinnung und des Umgangs mit Fehlentscheidungen im Profifußball verwies.

