Die Abstiegssorgen des SV Werder Bremen haben sich nach der bitteren 1:2-Niederlage beim FC St. Pauli drastisch verschärft. Die Grün-Weißen warten nunmehr seit 13 Bundesligaspielen auf einen Sieg, eine Serie, die dem Verein schwer zu schaffen macht. Auch der jüngste Trainerwechsel, bei dem Daniel Thioune Horst Steffen ablöste, hat bisher keine Wende herbeiführen können; alle drei Partien unter Thiounes Leitung gingen verloren. Diese anhaltende Negativserie spiegelt sich direkt in der Tabelle wider und lässt die Alarmglocken am Osterdeich immer lauter schrillen. Die Drucksituation auf Mannschaft und Verein nimmt mit jeder verlorenen Partie weiter zu, und die Fans sehen ihre Mannschaft tiefer und tiefer in den Abstiegsstrudel gezogen.
Die Pleite gegen St. Pauli wiegt besonders schwer, da es ein direktes Duell im Kampf um den Klassenerhalt war. Durch den Erfolg überholten die Hamburger Werder in der Tabelle und nehmen nun den Relegationsplatz ein, während Bremen auf den vorletzten Platz abrutschte. Das erste Tor der Partie erzielte St. Paulis Hauke Wahl in der 55. Minute nach einem Kopfballaufsetzer. Doch im Fokus stand Werder-Torwart Mio Backhaus, dessen Patzer die Führung der Hamburger begünstigte. Der 21-jährige Keeper ließ den eigentlich harmlosen Ball durch seine Hände gleiten, anstatt ihn sicher zur Seite zu lenken oder festzuhalten, was in dieser kritischen Phase des Spiels einen gravierenden Fehler darstellte. Dieser Moment verdeutlichte die Nervosität und Anspannung, die aktuell in der Bremer Mannschaft herrschen.
Werder Bremen konnte jedoch kurz darauf eine Reaktion zeigen. Der im Winter vom VfB Stuttgart ausgeliehene Joker Jovan Milošević erzielte in der 62. Minute den Ausgleich, nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung. Dieses Tor nährte kurzzeitig die Hoffnung auf eine Wende, doch die Freude währte nicht lange. St. Pauli schlug schnell zurück, als Joel Chima Fujita in der 70. Minute aus spitzem Winkel zum 2:1 traf und damit den alten Abstand wiederherstellte. Nach diesem erneuten Rückstand gelang den Bremern nicht mehr viel. Die bereits in der Vorsaison sichtbare Offensivschwäche des einstigen Tabellenachten bleibt ein strukturelles Problem des SV Werder und war auch in diesem entscheidenden Spiel nicht zu übersehen. Der mangelnde Zug zum Tor und die fehlende Durchschlagskraft im Strafraum sind eklatant.
Bereits in der ersten Hälfte hatte sich auf dem Platz recht wenig getan. St. Pauli kam trotz nur 40 Prozent Ballbesitz zu keiner klaren Torchance und gab lediglich einen Schuss ab. Bremen wirkte zwar gefährlicher, konnte aber seine Ansätze im gegnerischen Strafraum nicht in Zählbares ummünzen, was ein wiederkehrendes Muster der Saison ist – in den zehn Partien vor diesem Spiel war Werder siebenmal ohne eigenen Treffer geblieben. Eine Topchance vergab Jens Stage in der 32. Minute, als er den Ball nach einer Freistoßflanke nicht richtig traf und deutlich am Tor vorbeischoss. Für Werder Bremen steht am kommenden Wochenende das nächste Schlüsselspiel im Abstiegskampf an: Sie empfangen den Tabellenletzten Heidenheim. St. Pauli reist derweil zur TSG Hoffenheim.

