Air Canada CEO Michael Rousseau kündigte seinen vorzeitigen Rücktritt an, nachdem er massiver Kritik wegen mangelnder Französischkenntnisse ausgesetzt war. Die Kontroverse entzündete sich an seiner Beileidsbekundung nach einem tragischen Flugzeugunfall am LaGuardia Airport in New York. Bei dem Vorfall kollidierte eine Air Canada Maschine während der Landung mit einem Feuerwehrauto, wobei die beiden Piloten ums Leben kamen und Dutzende verletzt wurden. Einer der verstorbenen Piloten stammte aus Québec. Rousseau hatte ein Videostatement veröffentlicht, in dem er bis auf die Worte „Bonjour“ und „Merci“ ausschließlich Englisch sprach, obwohl Kanada ein offiziell zweisprachiges Land ist und Air Canada seinen Hauptsitz im französischsprachigen Québec hat. Die Botschaft war lediglich mit französischen Untertiteln versehen, was die Empörung zusätzlich anheizte.
Die Reaktion aus Politik und Öffentlichkeit war scharf. Kanadas Premierminister Mark Carney bezeichnete Rousseaus Entscheidung zum Rücktritt als „angemessen“ und kritisierte, die ausschließlich auf Englisch verfasste Botschaft zeige einen Mangel an Mitgefühl und Urteilsvermögen. Besonders deutlich fiel die Kritik von Québecs Premierminister François Legault aus. Er begrüßte Rousseaus Rücktritt und erinnerte daran, dass Rousseau bei seiner Ernennung im Februar 2021 versprochen hatte, Französisch zu lernen. Legault hatte Rousseau zuvor öffentlich zum Rücktritt aufgefordert und betonte die Notwendigkeit, dass der nächste CEO von Air Canada fließend Französisch spricht, um die sprachliche Realität des Landes widerzuspiegeln.
Nach der anfänglichen Welle der Kritik und den politischen Forderungen entschuldigte sich Michael Rousseau schriftlich in einer sowohl auf Englisch als auch auf Französisch veröffentlichten Erklärung. Er äußerte sich zutiefst betrübt darüber, dass seine mangelnden Französischkenntnisse „die Aufmerksamkeit“ von den trauernden Familien der Piloten und den Mitarbeitern von Air Canada abgelenkt hätten. Rousseau räumte ein, dass seine Sprachkenntnisse „trotz zahlreicher Unterrichtsstunden im Laufe der Jahre“ nach wie vor unzureichend seien. Kurz darauf informierte er den Vorstand von Air Canada über seine Entscheidung, das Unternehmen bis zum Ende des dritten Quartals zu verlassen, womit er seinen vorzeitigen Rücktritt besiegelte.
Der Vorfall verdeutlicht einmal mehr die tiefe Sensibilität der Sprachfrage in Kanada, insbesondere in der Provinz Québec, wo der Schutz der französischen Sprache von größter Bedeutung ist. Die Anwesenheit eines französischsprachigen CEOs an der Spitze eines nationalen Unternehmens wie Air Canada mit Sitz in Québec wird als grundlegend für die Respektierung der kulturellen und sprachlichen Identität des Landes angesehen. François Legaults Forderung an den Air Canada Vorstand, sicherzustellen, dass der nächste CEO Französisch spricht, unterstreicht die politischen Erwartungen und den Druck, dem Unternehmen in dieser Hinsicht ausgesetzt sind. Der Rücktritt Rousseaus setzt ein klares Zeichen für die Bedeutung der Zweisprachigkeit in Kanadas Unternehmensführung.

