Ein beispielloser Vorgang erschüttert die Deutsche Bahn: Fünf der sechs Vorstandsmitglieder, darunter CEO Evelyn Palla, haben sich in einem Schreiben an den Aufsichtsrat gewandt und die Abberufung der erst im Dezember bestellten Finanzvorständin Karin Dohm gefordert. Die »Süddeutsche Zeitung« enthüllte die Details dieses internen Konflikts, der das Top-Management des Staatskonzerns in seinen Grundfesten erschüttert. Der unisono formulierte Wunsch des restlichen Vorstands unterstreicht die Schwere der Situation und die Dringlichkeit der gewünschten Personalentscheidung.
Die im Brief gewählten Worte lassen keinen Raum für Interpretationen: Das Vertrauensverhältnis zu Frau Dohm sei »nachhaltig, tiefgreifend und unwiederbringlich gestört«. Eine »gedeihliche, konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit« sei mit ihr im Gremium nicht mehr denkbar. Die verbleibenden Vorstandsmitglieder betonen, dass die Handlungsfähigkeit des gesamten Vorstands erheblich beeinträchtigt sei und befürchten, dass die »schwerwiegenden Differenzen« dem Unternehmen ernsthaften Schaden zufügen könnten. Eine weitere Grundlage für eine Kooperation existiere laut dem Schreiben nicht mehr.
Karin Dohms kurze Amtszeit als Finanzvorständin, die Ende Februar bereits wieder zur Disposition stand, war von Beginn an turbulent. Sie soll es in nur wenigen Monaten geschafft haben, mächtige Interessensvertreter wie den Betriebsrat gegen sich aufzubringen. Insbesondere ihr unabgesprochenes Vorgehen bei der geplanten Aufspaltung der Bahn-Tochter DB Services wird als Ursache für die Eskalation genannt. Diese Alleingänge führten offenbar zu einer tiefen Entfremdung und einem irreparablen Vertrauensbruch innerhalb der Führungsebene der Deutschen Bahn.
Aktuell laufen laut Medienberichten intensive Gespräche, um eine einvernehmliche Trennung von Karin Dohm zu ermöglichen. Sollte jedoch bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung keine beidseitig akzeptable Lösung gefunden werden, appellieren die Vorstandsmitglieder an den Aufsichtsrat, »zum Wohle des Unternehmens« den »sofortigen Widerruf der Bestellung von Frau Dohm« zu beschließen. Diese klare Ansage unterstreicht den Druck, unter dem der Aufsichtsrat steht, eine schnelle Entscheidung in dieser hochsensiblen Personalie zu treffen, um die Funktionsfähigkeit des DB-Vorstands wiederherzustellen.

