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Home»Wirtschaft»EU-Kompromiss: Veggie-Burger-Namen gesichert, aber neue Regeln
Wirtschaft

EU-Kompromiss: Veggie-Burger-Namen gesichert, aber neue Regeln

By March 6, 20263 Mins Read
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Ein lang erwarteter Kompromiss in Brüssel sichert die Bezeichnungen „Veggie-Burger“ und „Tofu-Wurst“ für pflanzliche Fleischersatzprodukte. Unterhändler der EU-Mitgliedstaaten und des Europaparlaments haben sich darauf geeinigt, dass diese etablierten Begriffe weiterhin im Supermarktregal zu finden sein dürfen. Allerdings zieht die Einigung auch klare Grenzen: Andere vegetarische Alternativen dürfen künftig nicht mehr mit Begriffen beworben werden, die sich direkt auf Tierarten oder spezifische Fleischstücke beziehen. Dies betrifft zum Beispiel Bezeichnungen wie „Veggie-Hühnchen“ oder „Tofu-Rippchen“, die demnach der Vergangenheit angehören könnten. Dieser Schritt markiert das vorläufige Ende intensiver Verhandlungen, die den ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission wieder aufgreifen, nachdem das Europaparlament diesen zuvor deutlich verschärft hatte. Die formelle Annahme durch das Parlament und die Mitgliedstaaten steht noch aus.

Trotz der scheinbaren Erleichterung für populäre Produkte wie Veggie-Burger sieht die Branche erhebliche Einschränkungen auf sich zukommen. William Trautmann vom Branchenverband BALPro äußerte gegenüber dem SPIEGEL tiefe Besorgnis über die Entscheidung. Er befürchtet, dass die abgeschwächten Namensänderungen dennoch einen drastischen Einschnitt für die Hersteller bedeuten werden. Interne Schätzungen von BALPro beziffern die Umstellungskosten allein für den deutschen Markt auf bis zu 250 Millionen Euro. Der Verband fordert daher dringend „rechtssichere Auslegungshilfen“ sowie „praktikable Übergangsregelungen“ vom Bundeslandwirtschaftsministerium, um die Auswirkungen abzumildern und der Branche Planungssicherheit zu geben. Zudem kündigte BALPro an, rechtliche Schritte gegen die geplanten Vorgaben prüfen zu wollen, was auf weiteren Widerstand hindeutet.

Die Debatte um die Namensgebung für Fleischalternativen war kontrovers. Befürworter eines strengeren Vorgehens, darunter die EVP-Fraktion im EU-Parlament mit Federführung der französischen Abgeordneten Céline Imart, argumentierten, dass Verbraucher und Landwirte besser geschützt werden müssten. Sie forderten, Begriffe wie „Steak“, „Schnitzel“, „Burger“ und „Wurst“ ausschließlich Tierprodukten vorzubehalten, um Verwechslungen zu vermeiden und eine klare Unterscheidung zu gewährleisten. Eine ausreichende Mehrheit für ein solches Verbot kam im Parlament, vor allem durch Stimmen rechts der Mitte, zustande. Allerdings fehlte die nötige Mehrheit unter den EU-Staaten. Gegner eines umfassenden Verbots, darunter Deutschland, warnten eindringlich vor den immensen Umstellungskosten für die Wirtschaft und einem Anstieg der Bürokratie. Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) betonte, dass jeder, der ein Veggie-Schnitzel kauft, sehr wohl wisse, dass es nicht aus Fleisch ist, und sprach sich gegen weitere Bürokratie aus.

Deutschland nimmt eine Schlüsselrolle im europäischen Markt für pflanzliche Alternativprodukte ein und gilt laut Wirtschaftsvertretern als größter Markt in Europa. Die Produktion vegetarischer oder veganer Fleischalternativen ist im Jahr 2024 laut Statistischem Bundesamt auf 126.500 Tonnen gestiegen. Trotz dieses Wachstums liegt der Wert der traditionellen Fleischproduktion weiterhin deutlich höher. Verbraucherschützer und weitere Wirtschaftsvertreter hatten das Vorhaben eines umfassenden Verbots ebenfalls abgelehnt, um die Innovationskraft und das Wachstum dieses Sektors nicht zu gefährden. Große Hersteller wie die Rügenwalder Mühle, die einen erheblichen Teil ihres Umsatzes mit pflanzlichen Produkten erzielt, hatten im Vorfeld eindringlich vor den potenziellen Folgen eines weitreichenden Verbots für ihre Geschäftsmodelle und die Vielfalt des Angebots gewarnt. Die nun gefundene Kompromisslösung wird daher mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

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