Der anhaltende Konflikt im Iran wirft einen Schatten auf die wirtschaftliche Erholung in Deutschland. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts wird die Dynamik der deutschen Wirtschaft in jedem Fall gedämpft, sollte der Krieg länger andauern. Die Münchener Wirtschaftsforscher prognostizieren eine Verlangsamung des Wachstums und einen vorübergehenden Anstieg der Inflation, der die Kaufkraft der Verbraucher belasten könnte. Trotz dieser negativen Effekte betonen die Ökonomen, dass ein vollständiger Zusammenbruch der konjunkturellen Erholung unwahrscheinlich sei. Staatliche Mehrausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung dienen hier als wichtige Stützpfeiler.
Das Ifo-Institut hat in seiner Frühjahrsprognose zwei Szenarien vorgestellt, um die Bandbreite der möglichen Auswirkungen abzubilden. Im optimistischen “Deeskalationsszenario”, das ein baldiges Kriegsende unterstellt, könnte die deutsche Wirtschaft dieses Jahr um 0,8 Prozent wachsen, was 0,2 Prozentpunkte unter den ursprünglichen Erwartungen liegt. Die Inflation würde hier bei 2,2 Prozent verharren. Sollte der Konflikt jedoch länger anhalten – das sogenannte “Eskalationsszenario” – würden die negativen Effekte stärker zu Buche schlagen: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) würde nur noch um 0,6 Prozent zulegen, und die Teuerungsrate könnte auf 2,5 Prozent beschleunigen.
Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) bestätigt die dämpfenden Effekte des Iran-Krieges. Seine Frühjahrsprognose sieht das BIP im laufenden Jahr mit einem Wachstum von 0,8 Prozent leicht langsamer voranschreiten als die im Dezember noch erwarteten 1,0 Prozent. Für das kommende Jahr wurde die Schätzung jedoch leicht auf 1,4 Prozent angehoben. Das IfW geht davon aus, dass die Rohstoffpreise nur für wenige Monate deutlich erhöht bleiben, was einen Kaufkraftentzug von 0,6 Prozent des BIP zur Folge hätte. Dies dämpft die wirtschaftliche Aktivität spürbar, führt aber nicht zu einem Einbruch.
Die Inflation dürfte laut IfW dieses Jahr wegen der höheren Energiepreise mit 2,5 Prozent deutlich stärker steigen als die im Dezember prognostizierten 1,8 Prozent; für 2025 wird eine Rate von 2,1 Prozent erwartet. Insgesamt zeigen die Analysen beider führenden Wirtschaftsinstitute, dass der Iran-Konflikt die deutsche Wirtschaft spürbar bremst und die Lebenshaltungskosten für die Bürger erhöht. Die hohen Spritpreise sind ein direktes Ergebnis dieser Entwicklungen und stellen für die Bundesregierung eine zunehmende Herausforderung dar, da sie das Konsumklima und die politische Stimmung beeinflussen.

