Die Ölpreise sind den dritten Tag in Folge gestiegen, getrieben durch die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten. Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um 1,4 Prozent auf 78,83 Dollar je Barrel, während US-Leichtöl WTI um ein Prozent auf 71,97 Dollar zulegte. Analysten der Investmentbank Bernstein erhöhten ihre Brent-Prognose für 2026 von 65 auf 80 Dollar und schließen im Extremfall eines längeren Konflikts sogar Preise von 120 bis 150 Dollar nicht aus. Ein Drohnenangriff auf Saudi-Arabiens größte Raffinerie trug zusätzlich zur Eskalation bei, nachdem Brent am Montag zeitweise den höchsten Stand seit Januar erreicht hatte. Auch US-Dieselpreise und europäisches Gasöl verzeichneten deutliche Anstiege.
Der als “Irankrieg” bezeichnete Konflikt belastet den Energiemarkt empfindlich. Iran droht mit der Schließung der Straße von Hormus, einem Nadelöhr für den globalen Energiehandel. Berichte über eine Sperrung durch hochrangige Vertreter der iranischen Revolutionsgarden und die Streichung der Versicherungsdeckung für Schiffe in der Region verstärken die Unsicherheit. Eine Meldung über den brennenden Tanker “Athe Nova” nach einem Drohnenangriff unterstreicht die gefährliche Lage. Durch die Straße von Hormus fließen rund ein Viertel des weltweit verschifften Rohöls und etwa ein Fünftel der globalen Flüssigerdgastransporte, was ihre strategische Bedeutung untermauert.
Die Auswirkungen zeigen sich unmittelbar an deutschen Tankstellen und bei den Heizölpreisen. Superbenzin der Sorte E10 verteuerte sich am Montagnachmittag um 7,3 Cent, Diesel sogar um 8,1 Cent im Vergleich zum Freitag, dem Tag vor der Eskalation. Laut ADAC erreichten die Kraftstoffe bereits am Sonntag die höchsten Werte seit dem Frühjahr 2024. ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer warnt, dass der Aufwärtstrend anhalten könnte, sollte der Ölpreis nicht bald nachgeben. Er rät Verbrauchern, in den Abendstunden zu tanken, da Sprit dann in der Regel günstiger ist. Auch Heizölpreise stiegen deutlich, mit Werten über 120 Euro pro 100 Liter und einer hohen Nachfrage.
Mittelfristig gibt es jedoch Hoffnung auf gemäßigtere Preise, sofern sich die Lage am Golf wieder beruhigt und das Ölkartell Opec+ seine angekündigte Erhöhung der Fördermengen umsetzt. Eine schnelle Entspannung ist laut ADAC-Experten jedoch unwahrscheinlich, da steigende Ölpreise sich rasch an den Zapfsäulen bemerkbar machen, sinkende Preise jedoch langsamer weitergegeben werden. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie betonte indes, dass die deutschen Märkte für Benzin, Diesel, Heizöl und Flugkraftstoff intakt seien und die Versorgung gesichert ist, da Rohöl aus rund 30 Ländern, darunter Norwegen, die USA und Großbritannien, bezogen wird.

