Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland spricht sich für gesetzliche Vorgaben aus, die Unternehmen zu einer Mindestproduktion innerhalb der Europäischen Union verpflichten, insbesondere wenn öffentliche Mittel im Spiel sind. Dies geht aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage im Auftrag der Gewerkschaft IG Metall hervor. Die Ergebnisse zeigen eine breite Zustimmung zu Plänen der EU-Kommission für ein solches “Made in Europe”-Prinzip, das derzeit intensiv diskutiert wird und im Entwurf eines Industrie-Beschleunigungsgesetzes verankert werden könnte.
Konkret stimmten 70 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass Unternehmen, die Produkte auf dem europäischen Markt verkaufen, einen Teil ihrer Produktion auch in der EU ansiedeln sollten. Noch stärker ist der Rückhalt für die Forderung, staatliche Unterstützung an die Sicherung von Produktion und Arbeitsplätzen in Europa zu knüpfen: Neun von zehn Teilnehmenden befürworteten dies. Bei öffentlichen Aufträgen wünschen sich sogar 83 Prozent, dass nur Firmen zum Zuge kommen, die sichere Arbeitsplätze in Europa garantieren. Diese Zahlen unterstreichen den Wunsch der Bevölkerung nach einer Stärkung des europäischen Industriestandorts.
Die Pläne der EU-Kommission, die in den nächsten Tagen vorgestellt werden sollen, sind jedoch nicht unumstritten. Insbesondere die Schärfe der Regeln sorgt für Meinungsverschiedenheiten. Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich kritisch zu weitreichenden Vorschlägen Frankreichs für ein verpflichtendes “Made in Europe”-Prinzip, das europäische Anbieter bei öffentlichen Investitionen bevorzugen würde. Der CDU-Vorsitzende forderte, derartige Vorgaben sollten nur in kritischen, strategisch wichtigen Sektoren und lediglich als letztes Mittel eingesetzt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht unnötig zu beeinträchtigen.
Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, betont hingegen die Notwendigkeit robuster Vorgaben: “Wenn die Politik Steuergelder in die Hand nimmt, muss das den Industriestandort Europa stärken und Arbeitsplätze hier bei uns sichern.” Er sieht lokale Produktion als logische Antwort auf eine globale Wirtschaft, die von Zöllen, Subventionen und unfairen Handelspraktiken geprägt ist und täglich Arbeitsplätze in Europa vernichtet. Die Gewerkschaft fordert daher die Bundesregierung auf, den “Made in Europe”-Vorstoß von EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné entschieden zu unterstützen und damit die Zukunft der europäischen Industrie und ihrer Beschäftigten zu sichern, wie auch das Beispiel der Pilotanlage für Batteriezellen im VW-Werk Salzgitter zeigt.

