Die Eskalation im Nahen Osten, insbesondere im Kontext des Iran-Konflikts, hat den Ölpreis massiv in die Höhe getrieben. Berichte über einen Angriff der USA und Israels auf Iran – eine Entwicklung, die die ohnehin angespannten Beziehungen weiter verschärft – ließen den Preis für die Nordseesorte Brent am Sonntag im außerbörslichen Handel um zehn Prozent auf rund 80 Dollar je Barrel steigen. Obwohl die Ölpreise bis 0.30 Uhr einen Teil ihrer initialen Gewinne wieder abgaben, verblieben sie mit rund neun Prozent im Plus. Diese sofortige und deutliche Reaktion des Marktes unterstreicht die extreme Sensibilität gegenüber geopolitischen Spannungen in der wichtigsten Ölregion der Welt.
Analysten prognostizieren bei einer anhaltenden Konfrontation mit potenziellen Angriffen auf die Ölinfrastruktur oder einer Blockade der entscheidenden Handelsrouten einen Anstieg auf 100 Dollar oder mehr pro Barrel. Dies wäre ein Zuwachs von etwa 37 Prozent gegenüber dem Jahreshoch von 73 Dollar am Freitag. Eine alarmierende Entwicklung ist die weitgehende Einstellung des Öl- und Gastransports durch die Straße von Hormus seit Samstag. Iran hatte die Durchfahrt durch diese strategische Wasserstraße verboten, über die mehr als 20 Prozent des weltweiten Öls transportiert werden. Daraufhin setzten die meisten Tankerbesitzer, Ölkonzerne und Handelshäuser ihre Lieferungen aus, was die globale Versorgungslage weiter verschärft.
Die Reaktion des Ölkartells Opec+ auf diese Krise fiel als verhalten und wahrscheinlich unzureichend aus. Am Sonntag beschloss die Gruppe lediglich eine geringfügige Anhebung der Fördermenge um 206.000 Barrel pro Tag ab April, was weniger als 0,2 Prozent der weltweiten Nachfrage deckt. Experten wie Jorge Leon von Rystad Energy bezweifeln, dass dieser Schritt die Märkte beruhigen wird. Er betonte, die Preise würden auf die Entwicklungen am Golf und den Status der Schifffahrtswege reagieren, nicht auf eine so kleine Produktionssteigerung. Die Schließung der Meerenge würde selbst mit Umleitung einiger Mengen einen Verlust von acht bis zehn Millionen Barrel Rohöl pro Tag bedeuten.
Parallel zum Ölpreis erlebte auch Gold einen signifikanten Preisanstieg und bestätigte seine Rolle als sicherer Hafen. Am Montag verteuerte sich eine Feinunze Gold in den ersten Handelsminuten um 2,2 Prozent auf bis zu 5393 Dollar, nachdem auch Silber kräftig anzog. Damit baute der Goldpreis seine Gewinne der vergangenen Woche aus und nähert sich wieder dem Rekordhoch von fast 5600 Dollar Ende Januar an. Seit Ende 2025 verzeichnete Gold einen Anstieg von fast einem Viertel, nach einem beeindruckenden Plus von 65 Prozent im vergangenen Jahr – dem höchsten Jahresanstieg seit 1979. Dies spiegelt die zunehmende Nervosität der Anleger und die Flucht in Sachwerte wider.

