Der eskalierende Konflikt im Iran hat die globalen Finanzmärkte in Aufruhr versetzt und den Ölpreis dramatisch über die kritische Marke von 100 Dollar pro Barrel getrieben. Dies führte am Montag zu einem weltweiten Absturz der Börsenkurse und konkreten wirtschaftlichen Auswirkungen für Unternehmen und Verbraucher. Der drastische Anstieg der Rohölpreise, hervorgerufen durch die verschärften geopolitischen Spannungen, löste einen massiven Ausverkauf an den Börsen aus. Die Sorge vor einer neuen Inflationswelle und einer weltweiten Rezession wächst, während die Unsicherheit über den Verlauf des Konflikts das Anlegervertrauen weiter untergräbt und direkte Auswirkungen auf die Treibstoffpreise hat. Die geopolitische Lage beeinflusst zunehmend traditionelle Wirtschaftsindikatoren.
Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 17 Prozent auf 108,77 Dollar je Barrel, den stärksten Tagesanstieg seit Beginn der Coronapandemie 2020, nachdem sie am Freitagnachmittag noch über 90 Dollar gehandelt worden war. Seit Kriegsbeginn vor gut einer Woche beläuft sich das Plus bereits auf rund 50 Prozent gegenüber Preisen um 70 Dollar Ende Februar. Dies schürte an den Aktienmärkten massive Sorgen vor Inflation und einer Abkühlung der Konjunktur. Asiatische Märkte wurden besonders hart getroffen, mit dem japanischen Nikkei und der Börse in Südkorea, die um 7,5 bzw. 8,1 Prozent abstürzten. Auch der chinesische Leitindex fiel, während Terminkontrakte für die US-Börsen wie S&P 500 und Nasdaq hohe Verluste andeuteten, da Anleger aus Risikoanlagen flohen.
Der sich ausweitende Krieg zwischen den USA und Israel auf der einen und Iran auf der anderen Seite weckt Befürchtungen vor Lieferengpässen und längeren Unterbrechungen der Transporte durch die strategisch wichtige Straße von Hormus am Persischen Golf. Tanker meiden die Meerenge aufgrund der Kämpfe und Drohungen aus Iran, was die Engpässe verschärft, auch wenn Saudi-Arabien seine Lieferungen über das Rote Meer erhöht. Die Ernennung Mojtaba Khameneis zum Nachfolger seines Vaters als Oberster Führer im Iran signalisiert eine Konsolidierung der Hardliner-Kontrolle, was von den USA als inakzeptabel bezeichnet wurde. Bruce Kasman, Chefvolkswirt von JPMorgan, rechnet kurzfristig mit einem Ölpreisanstieg auf bis zu 120 Dollar und warnt vor einer globalen Rezession, sollte der Konflikt andauern, mit einem möglichen Rückgang des weltweiten Wirtschaftswachstums um 0,6 Prozentpunkte und einem Anstieg der Verbraucherpreise um einen Prozentpunkt.
Angesichts dieser Entwicklung wirken US-Präsident Donald Trumps Aussagen wie reine Durchhalteparolen. Er bezeichnete den steigenden Ölpreis als „kleines notwendiges Opfer“ für die Sicherheit und den Frieden angesichts der Bedrohung durch das iranische Atomprogramm, schreibend, dass „nur Narren anders denken würden“. Doch die ständig steigenden Spritpreise werden für ihn zu einem handfesten politischen Problem, da die Unterstützung für den Irankrieg in der US-Bevölkerung ohnehin schon verhalten ist und Trump im Wahlkampf versprochen hatte, sein Land aus solchen Konflikten herauszuhalten. Angesichts der im November anstehenden Midtermwahlen sorgt die Aussicht auf unbezahlbare Tankstellenbesuche für Nervosität in der republikanischen Partei, die einen Denkzettel der Wählerschaft fürchtet.

