Lidl hat einen Rechtsstreit vor dem Landgericht Heilbronn verloren. Eine Kammer für Handelssachen stufte die Marketingkampagne des Discounters als irreführend ein, in der im Mai 2025 die „größte Preissenkung aller Zeiten“ für 500 Produkte versprochen wurde. Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte erfolgreich geklagt, da die Werbung aus ihrer Sicht Verbraucher in die Irre führte und unwahr war. Armin Valet von der Verbraucherzentrale begrüßte das Urteil, während Lidl weitere juristische Schritte nach Erhalt der schriftlichen Urteilsbegründung prüft.
Der Discounter hatte die Vorwürfe zuvor zurückgewiesen und argumentiert, die Zahl 500 beziehe sich auf in Deutschland reduzierte Einzelartikel, einschließlich regionaler Anpassungen, wobei eine detaillierte Liste aus Wettbewerbsgründen nicht veröffentlicht wurde. Verbraucherschützer kritisierten, dass diese wichtigen Angaben oft nur in einer Fußnote zu finden waren. Zudem sei die Anzahl der tatsächlich reduzierten Artikel geringer gewesen als angekündigt. Der Richter betonte, dass der Verbraucher erwarte, dass die beworbenen Preissenkungen in seinem regionalen Umfeld tatsächlich vorzufinden seien.
Untersuchungen unabhängiger Seiten bestätigten die Zweifel. Die Vergleichs-App Smhaggle identifizierte im Juni 2025 statt der versprochenen 500 lediglich etwa 270 reduzierte Produkte, während Handelsexperte Stephan Rüschen auf rund 300 Einzelartikel kam. Ökonom Justus Haucap hatte die Erfolgsaussichten für Lidl bereits im Vorfeld als gering eingeschätzt, da selbst Experten die beworbenen Preissenkungen nicht nachvollziehen konnten. Die Tatsache, dass einige Reduzierungen nur regional galten, sei ein klares Indiz für Irreführung.
Erschwerend kommt hinzu, dass eine spätere Auswertung von Smhaggle für das „Handelsblatt“ zeigte, dass die beworbenen Preissenkungen nicht immer von Dauer waren: Mehr als ein Viertel der ursprünglich reduzierten Produkte war bereits wieder teurer geworden. Dieses Urteil ist besonders relevant angesichts hoher Lebensmittelpreise und des zunehmenden Zulaufs für Discounter wie Lidl und Aldi, auch in den USA, und unterstreicht die Notwendigkeit transparenter und wahrheitsgemäßer Werbung.

