Die “Tara Polarstation”, ein futuristisch anmutendes Forschungsschiff, bereitet sich auf eine beispiellose Mission in der Arktis vor. Konzipiert, um wie eine Eisscholle durch das Packeis zu treiben – monatelang eingeschlossen in Dunkelheit und Kälte, ohne eigenen Antrieb – soll sie bahnbrechende Daten zur Klimaveränderung liefern. Derzeit wird die schwimmende Station mit ihrer 12-köpfigen Crew aus Wissenschaftlern und Seeleuten in den eisigen Gewässern Finnlands getestet, wo bereits winterliche Bedingungen mit Temperaturen von -12 Grad herrschen. Ihr einzigartiges, Ufo-ähnliches Design ist nicht nur ein optischer Hingucker, sondern auch ein entscheidender Schutzmechanismus: Die Form soll verhindern, dass die Station von Eisschollen zerdrückt wird; bei starkem Eisdruck gleitet die Tara einfach nach oben. Dieses innovative Konzept ermöglicht es den Forschern, direkt im Herzen des arktischen Eises zu operieren, wo herkömmliche Schiffe an ihre Grenzen stoßen würden.
Im Mittelpunkt der Mission steht die dringende Erforschung der schmelzenden Arktis. Die Region um den Nordpol erwärmt sich dramatisch, drei- bis viermal schneller als der globale Durchschnitt, was weitreichende Konsequenzen für das Weltklima hat. Die Wissenschaftler an Bord der Tara Polarstation wollen herausfinden, wie genau diese rasante Erwärmung Strömungen und den Salzgehalt des Meerwassers verändert. Diese Daten sind entscheidend, um Klimamodelle zu verbessern und die zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels besser vorhersagen zu können. Für die Crew bedeutet dies einen intensiven Alltag aus Eiskratzen, dem Prüfen komplexer Messapparate und der fortlaufenden Auswertung von Daten. Neben der wissenschaftlichen Arbeit wird auch für das Wohlbefinden gesorgt: Gutes Essen und Musikinstrumente sollen dem gefürchteten Winterblues in der endlosen Dunkelheit entgegenwirken.
Kapitän Martin Hertau, der sich nach 17 Jahren in die Polarregion verliebt hat, blickt der Herausforderung der monatelangen Drift im Packeis mit Spannung entgegen. Für ihn erfüllt sich mit der Tara ein alter Traum. Ein Schlüsselinstrument der Mission ist ein hochmoderner Tauchroboter. Dieser Roboter, dessen Steuerung vom Meeresforscher Martin Schiller als anspruchsvolles “Videogame” beschrieben wird, gelangt durch eine Luke im Schiffsrumpf unter das Eis. Dort navigiert er autonom, um wichtige Messungen durchzuführen. Der Roboter soll zum Beispiel erfassen, wie viel Sonnenenergie durch die Eisdecke in den Ozean gelangt und wie sich dies ändert, wenn das Eis durch die globale Erwärmung weiter zurückgeht. Die Herausforderung, das Gerät in der Dunkelheit unter dem Eis zu steuern und zum kleinen Rückkehrloch zu navigieren, erfordert höchste Konzentration und Expertise.
Die Zeit drängt, wie Meeresbiologe Maxime Geoffroy betont: In den nächsten fünf bis 15 Jahren könnte die Arktis im September eisfrei sein – ein Zustand, der in der Menschheitsgeschichte bisher unbekannt ist. Die “Tara Polarstation” ist daher eine Mission von höchster Dringlichkeit. Vor der ersten echten Expedition, die im kommenden Winter starten soll, müssen die Forscher alle Abläufe immer wieder durchspielen und sich an das Leben auf engstem Raum ohne Privatsphäre gewöhnen. Nach einer zweimonatigen Eingewöhnungsphase soll die Tara dann sechs Monate lang festgefroren durch das Packeis am Nordpol driften. Dies ist jedoch erst der Anfang eines ambitionierten Langzeitprojekts: In den nächsten 20 Jahren ist geplant, dass die Polarstation insgesamt zehnmal auf diese kritische Reise geht, um die Veränderungen in der Arktis kontinuierlich zu dokumentieren und zu verstehen.

