Deutschland wird erstmals an einer französischen Übung zur nuklearen Abschreckung teilnehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte die Beteiligung nach Gesprächen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an. Die Übung soll noch in diesem Jahr stattfinden.
Der Schritt zeigt die wachsende militärische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich. Beide Länder wollen ihre Sicherheits- und Verteidigungspolitik enger abstimmen. Die neue Kooperation soll auch Europas Fähigkeit zur Abschreckung stärken.
Merz sagte, deutsche konventionelle Streitkräfte würden an einer französischen Atomübung teilnehmen. Deutsche Soldaten werden dabei keine eigenen Atomwaffen einsetzen. Die Bundeswehr soll mit konventionellen Kräften an den Abläufen der Übung beteiligt sein.
Die geplante Übung steht nach bisherigen Berichten im Zusammenhang mit dem französischen Manöver Poker. Frankreich nutzt Poker, um den Einsatz seiner nuklearfähigen Luftstreitkräfte zu trainieren. Dabei werden verschiedene Szenarien für einen möglichen Einsatz geübt.
Zu den beteiligten französischen Flugzeugen gehören Rafale-Kampfjets. Sie können mit nuklearen Marschflugkörpern ausgerüstet werden. Bei der Übung werden jedoch keine echten nuklearen Waffen eingesetzt.
Auch Luftbetankungen gehören zu den geplanten Abläufen. Dafür setzt Frankreich unter anderem A330 MRTT Tankflugzeuge ein. Die Streitkräfte trainieren zudem komplexe Flugmanöver und den Einsatz in einem möglichen Konfliktgebiet.
Die neue Zusammenarbeit wurde bereits im März vorbereitet. Deutschland und Frankreich gründeten damals eine gemeinsame Gruppe für Fragen der nuklearen Abschreckung. Das Gremium soll strategische Fragen und militärische Übungen besser abstimmen.
Am 16. Juli folgte bereits eine erste gemeinsame Luftübung. Französische Rafale und deutsche Eurofighter führten dabei eine Übung zur Luftbetankung durch. Atomwaffen wurden bei diesem Einsatz nicht verwendet.
Merz betonte, dass die Zusammenarbeit mit Frankreich die deutsche Rolle in der NATO nicht ersetzen soll. Deutschland bleibe der nuklearen Teilhabe und der Abschreckungsstrategie des Bündnisses verpflichtet. Die französische Kooperation soll diese Rolle ergänzen.
Frankreich verfolgt bei seinen Atomwaffen einen eigenen Weg. Das Land besitzt eine unabhängige nukleare Abschreckung. Macron will diese Fähigkeit stärker in die europäische Sicherheitsdebatte einbringen.
Macron bezeichnete Deutschland als wichtigen Partner. Er sagte, Berlin könne bei der europäischen Abschreckung eine führende Rolle übernehmen. Die Zusammenarbeit soll auch das Vertrauen zwischen den Streitkräften beider Länder stärken.
Für Deutschland ist dieser Schritt politisch wichtig. Frühere Regierungen waren bei einer engeren Zusammenarbeit mit der französischen Atomstrategie vorsichtig. Unter Merz hat sich die Debatte jedoch verändert.
Der Grund liegt auch in der neuen Sicherheitslage. Der Krieg in der Ukraine hat die Sorgen über die europäische Sicherheit verstärkt. Russland wird in Deutschland als große militärische Gefahr für Europa gesehen.
Berlin baut deshalb seine Streitkräfte deutlich aus. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, die stärkste konventionelle Armee Europas aufzubauen. Gleichzeitig soll Deutschland ein wichtiger militärischer Partner der USA bleiben.
Die NATO bleibt für Berlin der wichtigste Rahmen der Verteidigung. Die neue Zusammenarbeit mit Paris soll daran nichts ändern. Merz stellte klar, dass die französische Initiative die bestehende NATO-Struktur ergänzen soll.
Die Debatte gewinnt auch wegen der Rolle der USA an Bedeutung. Washington fordert von europäischen Staaten mehr Verantwortung für ihre eigene Sicherheit. In Europa wächst daher das Interesse an eigenen militärischen Fähigkeiten.
Frankreich hat bereits weitere europäische Staaten in seine Gespräche über nukleare Abschreckung einbezogen. Dazu gehören unter anderem Schweden und Polen. Paris will damit die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern ausweiten.
Für Deutschland bietet die Teilnahme an der französischen Übung eine neue Möglichkeit zur Zusammenarbeit. Die Bundeswehr kann dabei Erfahrungen mit französischen Abläufen sammeln. Gleichzeitig kann Paris besser verstehen, wie deutsche Streitkräfte eingebunden werden können.
Eine gemeinsame europäische Atomstrategie gibt es bisher nicht. Frankreich behält die Kontrolle über seine nuklearen Streitkräfte. Auch eine gemeinsame Entscheidung über den Einsatz französischer Atomwaffen ist damit nicht verbunden.
Merz sagte deshalb, es sei noch zu früh, von einer neuen gemeinsamen Doktrin zu sprechen. Die Zusammenarbeit werde Schritt für Schritt entwickelt. Die erste deutsche Teilnahme an einer französischen Atomübung ist dennoch ein deutliches politisches Signal.
Deutschland und Frankreich wollen damit ihre Verteidigungsbeziehungen weiter vertiefen. Für Berlin bleibt die NATO zentral. Gleichzeitig gewinnt die Zusammenarbeit mit Frankreich bei der europäischen Abschreckung an Bedeutung.
Die geplante Übung könnte deshalb ein wichtiger Test werden. Sie soll zeigen, wie eng beide Länder ihre Streitkräfte bei strategischen Fragen verbinden können. Zugleich könnte sie die Debatte über Europas eigene Verantwortung für seine Sicherheit weiter vorantreiben.

