Die litauische Generalstaatsanwaltschaft hat in Vilnius Anklage gegen fünf Personen erhoben, denen vorgeworfen wird, Terroranschläge in mehreren europäischen Ländern geplant und organisiert zu haben. Die Beschuldigten, im Alter von 23 bis 69 Jahren, sollen im Auftrag des russischen Geheimdienstes Brandsätze in Kurierpaketen verschickt haben. Ihnen drohen bei einer Verurteilung Haftstrafen von bis zu zehn Jahren. Vize-Generalstaatsanwalt Arturas Urbelis bestätigte diese Entwicklung gegenüber litauischen Medien. Bei den Angeklagten handelt es sich um Staatsbürger Russlands, der Ukraine und Litauens, was die internationale Dimension dieses Falles unterstreicht.
Die Ermittlungen konzentrierten sich auf ein Netzwerk von insgesamt 16 Personen, das verdächtigt wird, Brandsätze in Kurierpaketen versandt zu haben. Zwei dieser Sendungen wurden von Vilnius aus mit DHL-Frachtflugzeugen nach Großbritannien verschickt, während zwei weitere Pakete mittels DPD-Lastwagen nach Polen transportiert wurden. Ein besonders brisanter Vorfall ereignete sich im Juli 2024, als eines der Pakete Feuer im DHL-Logistikzentrum in Leipzig fing. Weitere gleichartige Vorfälle wurden in Polen und Großbritannien registriert, wo ebenfalls Paketbomben detonierten oder entdeckt wurden, was die weitreichende Natur der geplanten Anschläge verdeutlicht.
Ein glücklicher Umstand verhinderte die Detonation des vierten Pakets: Ein technischer Defekt führte dazu, dass der Brandsatz nicht zündete. Dies ermöglichte die Sicherstellung des Pakets in unversehrtem Zustand und eine detaillierte Untersuchung durch ein internationales Ermittlerteam. Dieses Team, bestehend aus Experten aus Litauen, Deutschland, Polen, den Niederlanden und Großbritannien, wurde von der europäischen Justizbehörde Eurojust koordiniert. Im Zuge der Untersuchung wurde aufgedeckt, dass bereits zwei Testpakete erfolgreich in die USA und nach Kanada geschickt worden waren. Zudem gab es Pläne, zwei weitere identische Pakete zu versenden. Sicherheitsbeamte vermuten, dass diese Paketbombenanschläge als Testlauf für einen umfassenderen russischen Plan dienten, Explosionen auf Frachtflügen in die Vereinigten Staaten auszulösen.
Die Ermittlungen ergaben, dass die gesamten Aktionen vom russischen Militärgeheimdienst organisiert und koordiniert wurden. Eurojust zufolge sollen insgesamt 22 Personen in diese Operation verwickelt sein, die im Interesse des russischen Geheimdienstes handelten und über Online-Messengerdienste rekrutiert wurden. Während nun gegen fünf dieser Personen Anklage erhoben wurde, dauern die Ermittlungen gegen die übrigen Verdächtigen weiterhin an. Moskau hat in der Vergangenheit stets alle Vorwürfe einer Beteiligung an solchen Operationen zurückgewiesen, was in diesem Fall voraussichtlich erneut geschehen wird, trotz der nun vorliegenden Anklagen und Ermittlungsergebnisse, die eine direkte Verbindung zu russischen Geheimdiensten nahelegen.

