Kuba steht kurz davor, 51 Häftlinge aus seinen Gefängnissen zu entlassen. Diese Maßnahme erfolgt offenbar nach intensiver Vermittlung des Vatikans und inmitten wachsenden Drucks seitens der USA. Die Regierung in Havanna reagiert damit auf eine Wirtschaftskrise, die durch strikte US-Sanktionen verschärft wurde und zu einer schweren Treibstoff- und Versorgungskrise auf der Insel geführt hat. Das kubanische Außenministerium erklärte, die Freilassung geschehe „im Geiste des guten Willens und der engen und reibungslosen Beziehungen zwischen dem kubanischen Staat und dem Vatikan“. Dies wurde bekannt, nachdem sich Kubas Außenminister Bruno Rodríguez vor zwei Wochen mit Papst Leo im Vatikan getroffen hatte. Es ist zunächst unklar, ob sich unter den Freigelassenen auch politische Gefangene befinden, obwohl Menschenrechtsorganisationen die Inhaftierung Hunderter aus politischen Gründen beklagen.
Laut der Erklärung des Außenministeriums haben alle betroffenen Gefangenen bereits einen „signifikanten Teil ihrer Strafen verbüßt und in Haft gute Führung gezeigt“. Havanna betont, dass diese „souveräne Entscheidung“ eine übliche Praxis sei und diesmal bewusst vor der Karwoche getroffen werde. Einen direkten Zusammenhang zu den Spannungen mit Washington stellte die kubanische Regierung nicht her. Es ist nicht das erste Mal, dass der Heilige Stuhl bei Gefangenenfreilassungen in Kuba eine Rolle spielt. Bereits im März 2025 wurden laut Reuters 550 Gefangene entlassen, ebenfalls mit Beteiligung des Vatikans. Seit 2010 sollen kubanischen Regierungsangaben zufolge fast 10.000 Inhaftierte begnadigt und in den letzten drei Jahren weitere 10.000 vorzeitig entlassen worden sein, wobei unabhängige Überprüfungen dieser Zahlen schwierig sind.
Die USA fordern seit Langem die Freilassung von politischen Gefangenen und haben zuletzt den Druck auf Kuba erhöht, um wirtschaftliche und politische Veränderungen herbeizuführen. Spekulationen über die Vermittlerrolle des Vatikans gab es bereits seit Wochen, verstärkt durch die Besuche von Kubas Außenminister Bruno Rodríguez und des US-Geschäftsträgers Mike Hammer in Rom Ende Februar. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bestätigte kürzlich die Bemühungen des Heiligen Stuhls um „eine dialogorientierte Lösung der bestehenden Probleme“ auf Kuba. Diese diplomatischen Schritte unterstreichen die komplexe Beziehung zwischen Havanna und Washington, die unter der Trump-Regierung, die den Zufluss von Devisen und Öl nach Kuba stoppen will, besonders angespannt ist.
Kuba durchlebt derzeit eine seiner schwersten Wirtschaftskrisen seit der Revolution von Fidel Castro im Jahr 1959. Die Auswirkungen der US-Sanktionen sind gravierend: Havanna gleicht nachts einer Geisterstadt, Bodegas sind leer und Tankstellen geschlossen. Die Vereinten Nationen haben bereits vor einer humanitären Katastrophe gewarnt. US-Präsident Trump hatte die Situation Kubas als „am Ende“ beschrieben und seinen Außenminister Marco Rubio mit der Angelegenheit betraut, um „eine freundliche Übernahme“ zu erwirken, „oder eben nicht“. Am kommenden Freitag wird der kubanische Präsident Díaz-Canel in einer Pressekonferenz zu nationalen und internationalen Themen Stellung nehmen, was weitere Einblicke in die Zukunft des Inselstaates geben könnte.

