Die FDP steht vor ihrer größten Bewährungsprobe. Nach einer Serie bitterer Niederlagen und dem Ausscheiden aus dem Bundestag konzentriert sich alle Hoffnung auf die anstehende Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März. Für die Partei geht es in ihrem “Stammland” nicht nur um den Wiedereinzug ins Landesparlament, sondern um ihr politisches Überleben. Parteichef Christian Dürr verdeutlicht mit seinem persönlichen Einsatz – Brezeln verteilend am Bahnhof in Heilbronn – die Dramatik der Lage. Die kommenden Tage entscheiden darüber, ob der Liberalismus in Deutschland noch eine parlamentarische Stimme findet.
Die Krise der FDP ist tiefgreifend, manifestiert seit der Bundestagswahl, bei der sie die Fünf-Prozent-Hürde verfehlte. Ex-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger attestierte schon im Vorjahr eine „tiefe Krise“ von Partei und Liberalismus. Der Absturz führte zu Konsequenzen: Der frühere Parteichef Christian Lindner wechselte die Branche, Christian Dürr übernahm. Trotz des Eingeständnisses von Fehlern beim Dreikönigstreffen blieben inhaltliche Kurskorrekturen aus; die FDP verharrt bei ihrem Fokus auf Wirtschaft und Geld. Der Verlust an Mandaten bedeutete einen drastischen Rückgang an Mitteln und öffentlicher Aufmerksamkeit, was den Wahlkampf im Superwahljahr 2026 zusätzlich erschwert. Dürr sucht verzweifelt nach Bühnen, wie seine Trabbi-Fahrt vors Brandenburger Tor im November 2025 zeigte, bei der er per Megafon gegen “sozialistische Politik” und Schulden wetterte.
Bundesweit ist die Lage der FDP prekär. In den meisten aktuellen Umfragen taucht die Partei schlicht nicht mehr auf, selbst in Rheinland-Pfalz, wo sie noch in einer Ampelkoalition regiert. Baden-Württemberg ist die einzige Ausnahme, wo Umfragen einen Wiedereinzug in den Landtag andeuten. Dies macht die Wahl am 8. März zu einer existenziellen Entscheidung. Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke betonte beim Dreikönigstreffen, dass es um weit mehr geht als nur das Land: “Um die Idee der Freiheit, um die Zukunft des Liberalismus, um den des Liberalismus im deutschen Parlamentarismus.” Diese Landtagswahl ist somit eine bundesweite Schicksalswahl für die liberale Bewegung.
Die Dramatik der Situation wird durch persönliche Opferbereitschaft unterstrichen. Generalsekretärin Nicole Büttner hat angekündigt, sich ihre braunen Locken abrasieren zu lassen, sollte die FDP den Wiedereinzug in den baden-württembergischen Landtag verpassen. In einem Podcast gab sie sich kämpferisch: “Ich meine das wirklich ernst. Ich finde, mit uns ist absolut zu rechnen. Ich habe auch absolut keine Angst um meine Haare.” Ihre Zuversicht spiegelt den letzten Funken Hoffnung wider, der sich an diese Wahl knüpft. Die Wählerinnen und Wähler in Baden-Württemberg haben am Sonntag die Macht, nicht nur über die Zusammensetzung ihres Landtags zu entscheiden, sondern auch über die Zukunft einer Traditions- und Regierungspartei, deren politisches Überleben auf dem Spiel steht.

