Ein Streik deutscher Hafenarbeiter rückt näher. Die Tarifgespräche für bis zu 11.000 Beschäftigte an den großen Seehäfen sind erneut gescheitert. Die Gewerkschaft ver.di hat nun eine Urabstimmung gestartet.
Die Abstimmung soll klären, ob die Beschäftigten einen unbefristeten Streik unterstützen. Sie läuft bis zum 1. Oktober. Für einen Streik müssen mindestens 75 Prozent der Mitglieder das aktuelle Angebot ablehnen.
Betroffen sind die Häfen in Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Emden, Brake und Wilhelmshaven. Dort warten die Beschäftigten seit dem 31. Juli auf einen neuen Tarifvertrag.
Die Verhandlungen begannen Ende Juli. Ver.di forderte eine Erhöhung der Stundenlöhne um 8,2 Prozent. Die Laufzeit sollte zwölf Monate betragen.
Die Arbeitgeber starteten mit einem anderen Angebot. Sie boten 5,3 Prozent mehr Lohn in zwei Stufen an. Zusätzlich war eine einmalige Zahlung geplant.
Auch nach mehreren Gesprächsrunden blieb eine Einigung aus. In der vergangenen Woche legten die Arbeitgeber zwei neue Vorschläge vor.
Das erste Modell sah 3,4 Prozent mehr Lohn vor. Der Vertrag sollte zwölf Monate laufen. Die Erhöhung sollte rückwirkend ab dem 1. August gelten. Zusätzlich waren ein Zuschlag für Containerarbeiten und mehr Urlaubsgeld vorgesehen.
Das zweite Modell bot eine Lohnerhöhung von 5,1 Prozent. Auch dieses Angebot enthielt zusätzliche Leistungen. Die Laufzeit sollte jedoch 18 Monate betragen.
Ver.di lehnte das zweite Modell sofort ab. Deshalb wurde es den Beschäftigten nicht zur Abstimmung vorgelegt. Die Gewerkschaft hält eine kürzere Vertragslaufzeit für wichtig.
Eine repräsentative Gruppe von mehr als 5.500 Beschäftigten wurde Anfang der Woche befragt. Nach Angaben von ver.di lehnten fast 65 Prozent das Angebot für einen zwölfmonatigen Vertrag ab.
Die Gewerkschaft fordert weiter mehr Geld. Sie begründet ihre Position auch mit den Arbeitsbedingungen in den Häfen.
Nach Angaben von ver.di steigen die Sicherheitsrisiken. Die Beschäftigten arbeiten mit schweren Lasten und Gefahrstoffen. Auch moderne und komplexe Technik gehört zum Arbeitsalltag.
Zusätzlich beobachtet die Gewerkschaft mehr Drohnenflüge über den Hafenanlagen. Ver.di sieht darin eine weitere Gefahr für die Beschäftigten.
Der ZDS, der Verband der deutschen Seehafenbetreiber, bewertet die Angebote anders. Nach Angaben des Verbands waren beide Modelle tragfähige Lösungen.
Der ZDS erklärte zudem, die Angebote hätten am oberen Ende der üblichen Regelungen in der Branche gelegen. Die zwei Modelle seien bewusst unterschiedlich gestaltet worden.
Damit habe der Verband auf die Wünsche der Beschäftigten zur Laufzeit und zur Struktur des neuen Vertrags reagiert. Eine Einigung konnte trotzdem nicht erreicht werden.
Ver.di hatte bereits vor der aktuellen Urabstimmung zu Warnstreiks aufgerufen. Am 17. August legten Beschäftigte für 24 Stunden die Arbeit nieder. Dieser Streik folgte auf die zweite Verhandlungsrunde.
Am 24. und 25. August gab es einen weiteren 24-stündigen Ausstand. Die Gewerkschaft wollte damit neue Gespräche und ein besseres Angebot erreichen.
Ein unbefristeter Streik könnte die deutschen Seehäfen stark treffen. Hamburg und Bremerhaven sind wichtige Umschlagplätze für den deutschen Außenhandel. Auch Bremen, Emden, Brake und Wilhelmshaven spielen eine wichtige Rolle beim Warenverkehr.
Die Häfen stehen bereits unter Druck. Betreiber berichten von zunehmenden Verzögerungen und Engpässen. Ein längerer Arbeitskampf könnte den Warenfluss weiter verlangsamen.
Auch in anderen europäischen Häfen gab es zuletzt Arbeitskämpfe. Im niederländischen Rotterdam streikten Beschäftigte am 4. September. Sie protestierten gegen geplante Änderungen bei den Sozialleistungen.
Die deutsche Tarifrunde steht damit vor einer wichtigen Entscheidung. Bis zum 1. Oktober können die Gewerkschaftsmitglieder über den nächsten Schritt abstimmen.
Erreicht die Abstimmung die notwendige Mehrheit, könnte ver.di die Gespräche für gescheitert erklären. Danach wäre ein unbefristeter Streik möglich.
Noch ist offen, ob es dazu kommt. Die Arbeitgeber und die Gewerkschaft könnten weiterhin eine Einigung erreichen. Dafür müsste jedoch ein neuer Kompromiss bei Lohn, Laufzeit und zusätzlichen Leistungen gefunden werden.

