Papst Leo XIV hat die politische Entwicklung in Deutschland mit dem Zustand des christlichen Lebens im Land in Verbindung gebracht. Bei einer Pressekonferenz sprach er über den Aufstieg rechter Gruppen und den Rückgang der Kirchenbindung. Zugleich widersprach er der Aussage, die Kirche in Deutschland sei bereits am Ende.
Leo äußerte sich auf dem Rückflug von Frankreich nach Rom. Der deutsche Journalist Ludwig Ring-Eifel fragte ihn nach der Entwicklung der katholischen Kirche in Deutschland. Dabei ging es auch um den wachsenden Erfolg extremistischer Parteien.
Der Papst sagte, ein Zusammenhang zwischen beiden Entwicklungen müsse genauer untersucht werden. Er sprach von einem möglichen Verhältnis zwischen dem Rückgang des christlichen Lebens und dem Wachstum rechter Gruppen. Eine direkte Erklärung für diese Entwicklung gab er jedoch nicht.
Die AfD wurde in der Frage des Journalisten im Zusammenhang mit der politischen Lage in Deutschland genannt. Leo selbst sprach in seiner Antwort vor allem allgemein über Gruppen am rechten Rand. Er sagte, dass bestimmte politische Vorstellungen mit religiösen Ideen verbunden würden.
Nach den Worten des Papstes sei diese Verbindung nicht automatisch ein Ausdruck des Christentums. Dabei verwies er auch auf Aussagen von katholischen und evangelischen Kirchenvertretern in Deutschland. Beide Kirchen hätten sich mit der Frage beschäftigt, wie christlicher Glaube und politische Positionen voneinander unterschieden werden können.
Leo stellte die Werte des christlichen Glaubens in den Mittelpunkt. Dazu zählte er Verständnis, Mitgefühl und die Begleitung anderer Menschen. Die Kirche müsse ihre Soziallehre erklären und über Werte sprechen, die das Leben und das Gemeinwohl stärken sollen. Zugleich warnte er vor Spaltung und Hass.
Auch die politische Beteiligung der Bürger sprach der Papst an. Menschen mit guten Absichten sollten sich nach seiner Ansicht am politischen Prozess beteiligen. So könnten sie dazu beitragen, Entscheidungen für das Gemeinwohl zu treffen. Leo verband diese Aussage mit seiner Forderung nach einem klaren Blick auf politische Ideen.
Die politische Lage in Deutschland hat sich zuletzt deutlich verändert. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erreichte die AfD im September knapp 44 Prozent. Auch in Berlin konnte die Partei ein zweistelliges Ergebnis erzielen. Die Ergebnisse haben die Debatte über den Umgang mit der Partei und anderen rechten Gruppen erneut verstärkt.
Leo richtete seinen Blick jedoch nicht nur auf die Politik. Ein großer Teil seiner Antwort betraf die Zukunft der Kirche. Er widersprach der Vorstellung, dass die Kirche in Deutschland keine Zukunft mehr habe.
Als Beispiel nannte er Frankreich. Auch dort sei in der Vergangenheit über einen starken Niedergang der Kirche gesprochen worden. Während seines Frankreich-Besuchs habe er jedoch große Menschenmengen und eine starke öffentliche Beteiligung erlebt. Für Leo zeigt dies, dass religiöses Leben auch nach einer langen Phase des Rückgangs neue Kraft gewinnen kann.
Der Papst sagte, er glaube, dass es in Deutschland weiterhin viele Menschen gebe, die ihren christlichen und katholischen Glauben leben möchten. Dafür brauche es nach seiner Einschätzung einen neuen missionarischen Geist und einen passenden Weg, Menschen zu erreichen.
Gleichzeitig verschwieg Leo die Probleme nicht. Er sagte, die katholische Kirche habe schwere Veränderungen erlebt. Ähnliche Entwicklungen gebe es auch bei der evangelischen Kirche. Nach seinen Worten betreffen die Veränderungen zudem die gesamte Gesellschaft.
Ein Besuch des Papstes in Deutschland ist bislang nicht terminiert. Leo sagte, er hoffe auf eine Reise in das Land. Einen konkreten Termin nannte er nicht. Sicher ist dagegen seine Teilnahme am Weltjugendtag in Südkorea im kommenden Jahr.
Damit verband Leo zwei Themen: die Zukunft des christlichen Glaubens in Deutschland und die Frage, wie Religion im politischen Raum genutzt wird. Seine Antwort machte zugleich deutlich, dass er trotz des Rückgangs der Kirchenbindung weiterhin Möglichkeiten für ein neues kirchliches Leben in Deutschland sieht.

