Der US-Bundesstaat Texas führt an öffentlichen Schulen eine neue Pflichtlektüre ein. Künftig sollen Schülerinnen und Schüler ausgewählte Geschichten aus der Bibel lesen. Die von den Republikanern kontrollierte Bildungsbehörde des Bundesstaates hat eine neue Leseliste verabschiedet, die für mehr als fünf Millionen Schülerinnen und Schüler gelten soll.
Die neue Vorgabe umfasst neben bekannten literarischen Werken auch Texte aus der Bibel. Dazu gehören Auszüge aus dem Neuen Testament sowie Passagen aus dem Buch Hiob. Die Einführung erfolgt schrittweise und soll bis zum Jahr 2030 umgesetzt werden.
Nach den Plänen beginnen Grundschulkinder zunächst mit bebilderten Bibelgeschichten. Dazu zählen Erzählungen über David und Goliath sowie Daniel in der Löwengrube. Ab der vierten Klasse sollen die Schülerinnen und Schüler zusätzlich ausgewählte Texte über Jesus aus dem Neuen Testament lesen.
Brandon Hall, Mitglied der texanischen Bildungsbehörde, begründete die Entscheidung damit, dass das Christentum eine wichtige Rolle in der Geschichte der Vereinigten Staaten gespielt habe. Nach seiner Ansicht gehören biblische Inhalte deshalb zur kulturellen Bildung der Schülerinnen und Schüler.
Die Entscheidung sorgt im Bundesstaat für eine kontroverse Debatte. Befürworter sehen in der neuen Pflichtlektüre eine Möglichkeit, Kindern wichtige religiöse und kulturelle Grundlagen zu vermitteln. Sie argumentieren, dass viele Werke der Literatur, Geschichte und Kunst auf biblischen Erzählungen aufbauen und entsprechende Kenntnisse deshalb zum allgemeinen Bildungswissen gehören.
Kritiker lehnen die Regelung dagegen deutlich ab. Sie verweisen auf das verfassungsrechtliche Prinzip der Trennung von Kirche und Staat. Nach ihrer Auffassung sollte der Staat keine bestimmte Religion im Schulunterricht bevorzugen. Außerdem kritisieren sie, dass Schulen und Lehrkräfte künftig weniger Freiheit bei der Auswahl ihrer Unterrichtsmaterialien hätten.
Die neue Leseliste ist Teil einer größeren bildungspolitischen Entwicklung in Texas. Bereits vor einem Jahr verabschiedete das von den Republikanern dominierte Parlament ein Gesetz, das vorschreibt, dass in jedem Klassenzimmer dauerhaft ein Poster oder eine gerahmte Darstellung der Zehn Gebote angebracht werden muss.
Die Maßnahmen haben auch über Texas hinaus eine politische Debatte ausgelöst. Während konservative Politiker eine stärkere Berücksichtigung religiöser Werte im öffentlichen Bildungswesen befürworten, warnen Bürgerrechtsorganisationen vor möglichen Konflikten mit der Religionsfreiheit und den verfassungsrechtlichen Vorgaben zur Neutralität des Staates.
Texas gehört zu den größten Bundesstaaten der USA. Mit mehr als fünf Millionen Schülerinnen und Schülern verfügt der Bundesstaat über eines der größten öffentlichen Schulsysteme des Landes. Änderungen am Lehrplan haben deshalb oft Auswirkungen auf Verlage, Schulen und Bildungseinrichtungen weit über die Grenzen von Texas hinaus.
Ob die neue Pflichtlektüre rechtlich angefochten wird, ist derzeit noch offen. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die Entscheidung auch künftig Gegenstand politischer und juristischer Auseinandersetzungen bleiben wird. Die schrittweise Einführung bis 2030 soll den Schulen ausreichend Zeit geben, die neuen Unterrichtsmaterialien in ihre Lehrpläne zu integrieren.

