US-Präsident Donald Trump hat Deutschland und andere NATO-Staaten scharf für ihre mangelnde Unterstützung bei der Sicherung der Straße von Hormus kritisiert. Mit ungewöhnlich drastischen Worten wetterte Trump am Dienstag gegen die Verbündeten, bezeichnete ihr Verhalten als „sehr dummen Fehler“ und zeigte sich sichtlich wütend. Er hatte zuvor auf Truth Social, seiner bevorzugten Kommunikationsplattform, geschrieben, dass die USA von den meisten ihrer sogenannten „Verbündeten“ darüber informiert worden seien, dass sie nicht in den US-Militäreinsatz gegen den Iran involviert werden wollten. Dies markiert einen neuen Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen den USA und ihren europäischen Partnern.
Trump erklärte daraufhin, auf die Hilfe der Partner für die Sicherung der strategisch wichtigen Schifffahrt durch die Straße von Hormus verzichten zu wollen. „Wir brauchen die Hilfe von niemandem“, schrieb er in Großbuchstaben und betonte die vermeintliche Alleingangsstrategie der Vereinigten Staaten als „bei Weitem mächtigstes Land der ganzen Welt“. Tage zuvor hatte der US-Präsident mit konfrontativen Forderungen versucht, NATO-Verbündete zur Unterstützung bei der Sicherung von Öltransporten aufzufordern. Angesichts des Iran-Krieges war die Durchfahrt praktisch zum Erliegen gekommen, was die Ölpreise auf das höchste Niveau seit Jahren trieb. Doch aus den europäischen Hauptstädten erntete er einhellige Absagen, was eine bemerkenswerte Geschlossenheit der Europäer in Trumps zweiter Amtszeit demonstriert.
Philip Gordon von der Denkfabrik Brookings Institution bezeichnete die US-Forderung an die Verbündeten als „außerordentlich“. Der ehemalige Sicherheitsberater von Kamala Harris argumentiert, Trump gehe zu weit, wenn er von den Partnern verlange, für den Schutz von Öltankern Menschenleben aufs Spiel zu setzen, insbesondere nachdem er die Europäer zuvor überwiegend mit Beleidigungen und Beschimpfungen überzogen hatte. Bislang hatte Trump Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) aus seinen Tiraden ausgenommen und ihn sogar als „großartigen Anführer“ und Freund gelobt. Nun jedoch rügte er auch Deutschland, ohne den Kanzler namentlich zu nennen, kritisierte aber die Aussage des deutschen „Oberhaupts“, sein Land habe nichts mit dem Irankrieg zu tun.
Kanzler Merz hatte am Montag in Berlin bekräftigt: „Wir beteiligen uns nicht an diesem Krieg.“ Dieses Nein gelte auch für eine militärische Absicherung der Straße von Hormus. Ähnlich äußerten sich die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sowie Vertreter Großbritanniens, Frankreichs und Italiens. Die Situation erinnert an den Vorabend des Irakkriegs 2003, als Präsident George W. Bush monatelang eine „Koalition der Willigen“ aufbauen musste, an der Deutschland und Frankreich ebenfalls nicht teilnahmen. Ironischerweise hatte Trump seinen Parteifreund Bush für den Irakkrieg scharf kritisiert, versäumte es aber, selbst eine ähnliche Allianz für den Irankrieg zu schmieden, womöglich weil er die Widerstandskraft Teherans unterschätzte und einen schnellen Sieg erwartete.

