Südkorea will in der Region Jeonnam-Gwangju einen neuen Halbleiter-Cluster aufbauen. Deutschland sieht dabei Chancen für eine engere Zusammenarbeit.
Dennis Bloch, Wirtschaftsberater der deutschen Botschaft in Seoul, sprach sich für einen langfristigen Aufbau aus. Forschung, Zulieferer und Fachkräfte müssten dabei von Anfang an berücksichtigt werden.
Bloch äußerte sich bei einem Forum in Gwangju. Im Mittelpunkt standen Halbleiter und der Einfluss von künstlicher Intelligenz auf die Industrie.
Nach Blochs Ansicht entstehen erfolgreiche Chip-Cluster nicht schnell. Sie brauchen viele Jahre und oft mehrere Jahrzehnte.
Deshalb seien stabile Strukturen wichtig. Politische Führungen können sich ändern. Forschungseinrichtungen, Industrieverbände und gemeinsame Infrastruktur könnten dagegen für mehr Beständigkeit sorgen.
Deutschland hat mit diesem Modell eigene Erfahrungen. Bloch verwies auf Silicon Saxony in der Region Dresden.
Silicon Saxony ist Europas größtes Mikroelektronik- und IT-Cluster. Die Geschichte der Mikroelektronik in der Region begann 1961.
Heute umfasst das Netzwerk rund 3.650 Unternehmen. Mehr als 82.000 Menschen arbeiten dort.
Nach Angaben aus Blochs Präsentation stammt etwa ein Drittel der europäischen Chipproduktion aus dieser Region.
Der Standort soll weiter wachsen. Investitionen von Infineon und einem von TSMC geführten Gemeinschaftsprojekt sollen rund 20 Milliarden Euro an neuen Investitionen bringen.
Die Projekte könnten etwa 5.500 neue Arbeitsplätze schaffen.
Für Bloch zeigt Dresden, dass ein erfolgreicher Chipstandort aus vielen Teilen besteht. Große Hersteller sind wichtig. Ebenso wichtig sind spezialisierte Zulieferer.
Auch Hochschulen und Forschungsinstitute spielen eine große Rolle. Dazu zählt das Fraunhofer-Netzwerk für angewandte Forschung.
Südkorea verfügt bereits über große Stärken in der Halbleiterindustrie. Das Land ist stark bei Speicherchips und HBM.
Auch bei der Produktion großer Mengen und bei moderner Chip-Verpackung gehört Südkorea zu den wichtigen Ländern.
Deutschland hat andere Stärken. Dazu gehören Halbleiter für die Autoindustrie und für Stromsysteme.
Auch Sensoren und industrielle Anwendungen sind wichtige deutsche Bereiche. Dazu kommt die Herstellung spezieller Anlagen für die Chipindustrie.
Diese Stärken können sich gegenseitig ergänzen. Bloch verwies deshalb auf bestehende Programme zwischen Südkorea und Europa.
Dazu gehört die Korea-EU-Digitalpartnerschaft. Auch ein bilateraler Dialog über digitale Themen unterstützt die Zusammenarbeit.
Der K-Fast Hub ist ein weiteres Beispiel. Er verbindet südkoreanische Unternehmen mit dem Fraunhofer-Netzwerk.
Die Kooperation hat bereits neue Forschungsprojekte hervorgebracht. In den Jahren 2024 und 2025 wurden neun gemeinsame Projekte genehmigt.
Das gesamte Forschungsvolumen beträgt nach Angaben der Forumsmaterialien rund 35 Milliarden Won. Das sind etwa 25,9 Millionen US-Dollar.
Besonders große Chancen sieht Bloch bei Chips für künstliche Intelligenz. Auch moderne Chip-Verpackung könnte eine wichtige Rolle spielen.
Weitere Bereiche sind neue Technologien für Fahrzeuge und Chips für Rechenzentren.
Der Ausbau der künstlichen Intelligenz steigert den Bedarf an leistungsfähigen Chips. Deshalb wird die Verbindung von Forschung und Produktion immer wichtiger.
Für den geplanten Cluster in der Region Honam empfahl Bloch eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und Unternehmen.
Diese Verbindung sollte bereits beim Aufbau des Standorts entstehen. Forschungsstellen sollten die Bedürfnisse der Industrie kennen.
Unternehmen sollten zugleich schnell von neuen Forschungsergebnissen profitieren können.
Auch die Ausbildung von Fachkräften müsse parallel wachsen. Ein großer Halbleiterstandort braucht gut geschulte Mitarbeiter in vielen Bereichen.
Der Aufbau des neuen Clusters dürfte daher lange dauern. Die Erfahrungen aus Deutschland zeigen jedoch, dass eine langfristige Strategie einen Standort stärken kann.
Der Halbleiter Cluster Südkorea Deutschland könnte damit ein neues Beispiel für internationale Industriekooperation werden. Beide Länder verfügen über wichtige, aber unterschiedliche Stärken.
Eine engere Verbindung von Forschung, Produktion und Ausbildung könnte den neuen Standort langfristig wettbewerbsfähig machen.

