Armin Papperger, CEO des Rüstungskonzerns Rheinmetall, sorgte für Aufsehen mit abfälligen Bemerkungen über ukrainische Drohnenhersteller. In einem Interview mit »The Atlantic« bezeichnete er die Entwicklung von Drohnentechnologie in der Ukraine als »wie mit Lego zu spielen« und sprach von »ukrainischen Hausfrauen«, die mit 3D-Druckern in der Küche Drohnenteile herstellten, was er nicht als Innovation einstufte. Er zog Vergleiche zu großen Rüstungskonzernen wie Lockheed Martin und General Dynamics, denen die Ukraine technologisch unterlegen sei, und behauptete, es fehle ihr an echtem technologischem Durchbruch. Pappergers Äußerungen trafen auf heftige Kritik und lösten eine Welle von Empörung in der Ukraine aus. Die Kontroverse entfachte eine Diskussion über die Effektivität und den Innovationsgeist hinter den ukrainischen Verteidigungsstrategien, die oft auf agiler und dezentraler Produktion basieren.
Die Reaktionen auf Pappergers Aussagen ließen nicht lange auf sich warten. Der ukrainische Drohnenhersteller Skyfall konterte treffend: »Wenn eine Drohne, die von ukrainischen ›Hausfrauen‹ gebaut wurde, ausreicht, um Panzer und Artillerie auszuschalten, dann sind wir wohl offiziell in der Ära der ›Hausfrauen‹ angekommen.« Auch der ukrainische Präsidentenberater Oleksandr Kamyschin meldete sich auf X zu Wort und hob die Erfolge ukrainischer Drohnen gegen russische Panzer hervor. Er betonte, bei seinen Besuchen in Waffenfabriken oft Frauen gesehen zu haben, die mit gleicher Hingabe wie Männer arbeiteten und Respekt verdienten. Kamyschin fügte wenig später sarkastisch hinzu: »Unsere Lego-Drohnen sind von Hausfrauen in ihren Küchen gemacht und haben schon mehr als 11.000 russische Panzer zerstört.« Unter dem Hashtag #MadeByHousewives verbreiteten sich daraufhin zahlreiche Memes und Anspielungen, die die Effektivität ukrainischer Drohnen humorvoll und stolz untermauerten.
Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs verfügt die Ukraine über umfassende Erfahrung im Einsatz von Drohnen und in der Abwehr iranischer Schahed-Drohnen, die Russland unter der Bezeichnung Geran-2 selbst herstellt. Diese Expertise ist mittlerweile so hoch, dass Ende Februar ukrainische Experten in die Golfregion entsandt wurden, um dort bei der Abwehr iranischer Drohnenangriffe zu unterstützen, da der Iran Golfstaaten attackiert. Präsident Wolodymyr Selenskyj reiste ebenfalls durch mehrere Golfstaaten und vereinbarte mit Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Zusammenarbeit im Bereich der Luftverteidigung. Dies unterstreicht die international anerkannte Kompetenz der Ukraine im Drohnenkrieg, die sich nicht auf konventionelle Großkonzernstrukturen beschränkt.
Als Reaktion auf die breite Kritik äußerte sich Rheinmetall am Sonntag auf X und betonte »höchsten Respekt für die immensen Bemühungen der ukrainischen Bevölkerung, sich zu verteidigen«. Das Unternehmen hob hervor, dass jede Frau und jeder Mann in der Ukraine einen »unermesslichen Beitrag« leiste und es der Ukraine besonders anzurechnen sei, dass das Land »sogar mit begrenzten Ressourcen hoch effektiv kämpft«. Diese Erklärung milderte die zuvor entstandene Verärgerung. Unabhängig von der Kontroverse blickt Rheinmetall auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück und erwartet nach Umsatz- und Gewinnplus im vergangenen Jahr für dieses Jahr ein Umsatzwachstum von 40 bis 45 Prozent auf 14 bis 14,5 Milliarden Euro.

