In Erfurt ist der AfD-Parteitag von massiven Protesten begleitet worden. Zehntausende Menschen gingen nach Polizeiangaben auf die Straße, während die Partei ihr Spitzenduo Alice Weidel und Tino Chrupalla im Amt bestätigte. Die Veranstaltung stand damit stark im Zeichen politischer Spannungen und Sicherheitsmaßnahmen.
Laut Polizei beteiligten sich mehr als 31.000 Menschen an Demonstrationen, Kundgebungen und Blockaden rund um das Parteigelände. Die Organisatoren der Proteste sprachen sogar von bis zu 50.000 Teilnehmern. Verschiedene Bündnisse hatten zu den Aktionen aufgerufen und versuchten nach eigenen Angaben, den Parteitag zu verhindern.
Trotz der Proteste begann der Parteitag pünktlich. Viele Delegierte wurden unter Polizeischutz zum Veranstaltungsort gebracht oder übernachteten in einem nahegelegenen Hotel. Die Sicherheitsbehörden waren mit mehreren Tausend Einsatzkräften vor Ort, um sowohl die Versammlungsfreiheit der Demonstranten als auch den Ablauf des Parteitags zu sichern.
Im Mittelpunkt der Parteitagsentscheidungen stand die Wiederwahl von Alice Weidel und Tino Chrupalla als Bundesvorsitzende. Beide traten ohne Gegenkandidaten an und wurden für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt. Weidel erhielt 81,3 Prozent der Stimmen und konnte ihr Ergebnis leicht verbessern. Chrupalla kam auf rund 70 Prozent und verlor im Vergleich zur vorherigen Wahl deutlich an Zustimmung.
Während der Parteitag selbst weitgehend ohne größere inhaltliche Streitpunkte verlief, blieb die politische und gesellschaftliche Debatte außerhalb des Saals angespannt. Größere Kontroversen innerhalb der Partei wurden offenbar bewusst vermieden, um den inneren Zusammenhalt vor wichtigen Landtags- und Wahlkämpfen nicht zu gefährden.
Ein zentraler Kritikpunkt der Demonstrierenden war die politische Ausrichtung der AfD. Die Proteste richteten sich gegen die Partei insgesamt und wurden von verschiedenen Gruppen organisiert, die sich selbst als antifaschistisch verstehen. Diese Bündnisse organisierten Demonstrationszüge, Sitzblockaden und andere Formen des zivilen Ungehorsams.
Während der Proteste kam es auch zu Gewaltvorfällen. Nach Angaben der Polizei wurden Journalisten angegriffen und teilweise verletzt. Drei Reporter des Portals Apollo News wurden demnach körperlich attackiert. Zudem wurde einem Journalisten der Jungen Freiheit das Handy geraubt. Einige Tatverdächtige konnten bereits identifiziert werden, die Ermittlungen laufen weiter.
Die Polizei sprach insgesamt von einem überwiegend friedlichen Verlauf der Großdemonstrationen, auch wenn es vereinzelt zu Eskalationen kam. Insgesamt wurden 65 Straftaten und 13 Ordnungswidrigkeiten registriert. Dazu gehörten Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Verstöße gegen das Versammlungsrecht. Elf Polizeibeamte wurden leicht verletzt.
In einzelnen Situationen musste die Polizei nach eigenen Angaben Zwang anwenden, etwa bei Blockaden und Durchbruchsversuchen. Besonders eine Sitzblockade auf der Autobahn A71 sowie an Zufahrtsstraßen nach Erfurt sorgte für größere Behinderungen. Dabei kam es laut Polizei auch zum Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken.
Die Sicherheitskräfte hatten sich über Wochen intensiv auf den Großeinsatz vorbereitet. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) sprach von einer sorgfältigen Planung, um sowohl Demonstrationsfreiheit als auch die Durchführung des Parteitags zu gewährleisten. Polizeipräsident Thomas Quittenbaum erklärte später, das Einsatzkonzept sei aufgegangen.
Auch politisch gab es Reaktionen auf die Ereignisse. Vertreter aus Regierung und Opposition betonten die Bedeutung von Pressefreiheit und das Recht auf friedliche Demonstration. Gleichzeitig wurde Gewalt gegen Journalisten und Polizisten klar verurteilt.
Neben der Wiederwahl des Führungsteams wurden auch Änderungen im Parteivorstand beschlossen. Mehrere neue Vizevorsitzende wurden gewählt, darunter bekannte und neue Gesichter aus verschiedenen Landesverbänden. Der Parteitag verlief dabei organisatorisch ruhig, während die politische Wirkung nach außen stark von den Protesten geprägt war.
Die AfD Parteitag Proteste in Erfurt zeigen damit erneut die tiefe gesellschaftliche Spaltung in Deutschland. Während die Partei ihre Führung bestätigt und sich organisatorisch neu aufstellt, bleibt der öffentliche Widerstand gegen sie weiterhin sehr groß.

