In Deutschland bleibt das Gehalt in Stellenanzeigen selten sichtbar. Eine neue Untersuchung zeigt, dass Arbeitgeber nur sehr selten konkrete Angaben zum Lohn machen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland sogar auf dem letzten Platz.
Die Analyse stammt von der Jobplattform Indeed. Sie verglich sieben europäische Länder. Ergebnis: Nur 12,5 Prozent der Stellenanzeigen in Deutschland enthalten eine klare Gehaltsangabe. In Ländern wie Großbritannien, den Niederlanden und Frankreich ist der Anteil deutlich höher.
In Großbritannien liegt der Wert bei 56 Prozent. In den Niederlanden sind es 48 Prozent. Frankreich kommt auf 43 Prozent. Auch Italien hat stark aufgeholt. Dort stieg der Anteil innerhalb eines Jahres von 22 auf 36 Prozent.
Expertinnen sehen einen klaren Trend. Lisa Feist, Ökonomin bei Indeed, sagt, dass die Transparenz in Deutschland sogar wieder sinkt. Auch in Europa insgesamt stagniere die Entwicklung. Sie sieht einen Zusammenhang mit dem Arbeitsmarkt. Dieser kühle ab. Dadurch gewinne der Arbeitgeber wieder mehr Einfluss in Gehaltsverhandlungen.
Viele Firmen kehren laut Feist zu alten Mustern zurück. Wenn weniger Druck am Arbeitsmarkt herrsche, würden Arbeitgeber weniger offen über Löhne sprechen. Sie geht davon aus, dass echte Transparenz erst dann Standard wird, wenn neue Gesetze vollständig greifen.
Hintergrund ist eine EU-Richtlinie zur Lohntransparenz. Diese muss bis zum 7. Juni in nationales Recht umgesetzt werden. Ziel ist mehr Fairness bei Bezahlung. Besonders der Gender Pay Gap soll so reduziert werden. Arbeitgeber sollen künftig schon vor dem Bewerbungsgespräch über das Gehalt informieren.
In Deutschland ist die Praxis bisher sehr unterschiedlich. In manchen Bereichen werden häufiger Gehälter genannt als in anderen. Bei Reinigungsdiensten liegt der Anteil bei 34,8 Prozent. In der Sicherheitsbranche bei 23,5 Prozent. Im Transportwesen sind es 22,3 Prozent. Im Kundenservice 21,3 Prozent.
Deutlich niedriger ist die Transparenz in vielen gut bezahlten Berufen. In der Architektur geben nur 6 Prozent der Anzeigen ein Gehalt an. In der Forschung sind es 5,3 Prozent. In der Pharmazie 5,2 Prozent. In der IT-Branche liegt der Wert bei 5 Prozent. Im Bereich Datenanalyse sogar nur 4,4 Prozent.
Damit zeigt sich ein klares Muster. Je höher und spezialisierter der Job, desto seltener wird das Gehalt genannt. Experten sehen darin ein Zeichen für starke Verhandlungsspielräume einzelner Arbeitgeber.
Auch Beschäftigte wünschen sich mehr Offenheit. Laut einer Umfrage von Indeed geben mehr als 60 Prozent der Arbeitnehmer an, dass sie sich klare Gehaltsangaben wünschen. Viele sagen auch, dass sie sich eher auf eine Stelle bewerben würden, wenn das Gehalt von Anfang an bekannt ist.
Die Studie zeigt damit einen deutlichen Unterschied zwischen Wunsch und Realität. Während Bewerber mehr Transparenz fordern, halten viele Unternehmen weiter an Zurückhaltung fest.

