In einem bahnbrechenden Erfolg hat die US-Weltraumbehörde Nasa mit ihrer DART-Mission erstmals den Kurs eines Himmelskörpers um die Sonne verändert. Im Jahr 2022 ließ die Nasa gezielt eine Sonde mit dem Asteroidenmond Dimorphos kollidieren, was nicht nur dessen Umlaufbahn um den größeren Asteroiden Didymos beeinflusste, sondern auch eine geringfügige, aber messbare Verkürzung der Umlaufzeit des gesamten Doppelsystems um die Sonne bewirkte. Diese bahnbrechende Leistung, deren Ergebnisse im Fachblatt »Science Advances« veröffentlicht wurden, markiert einen historischen Moment in der Raumfahrt und der planetaren Verteidigung. Die Mission diente primär dazu, eine Abwehrstrategie zu erproben, falls ein potenziell gefährlicher Asteroid Kurs auf die Erde nehmen sollte. Die Demonstration der Fähigkeit, die Bahn eines Himmelskörpers aktiv zu beeinflussen, ist ein entscheidender Schritt für den Schutz unseres Planeten.
Der Aufprall der DART-Sonde auf Dimorphos war nicht der einzige Faktor für die beobachtete Kursänderung von Didymos. Gleichzeitig erzeugte der Einschlag einen erheblichen Schweif aus Trümmerteilen, der ins All geschleudert wurde. Dieser Rückstoßeffekt, ähnlich dem einer Rakete, wirkte zusätzlich auf das gesamte Asteroidensystem aus Didymos und seinem Mond. Um diese komplexen Veränderungen zu analysieren, werteten Forschende für die aktuelle Studie insgesamt 22 präzise Aufnahmen aus den vergangenen Jahren aus. Diese Aufnahmen, die Didymos beim Vorbeiziehen vor fernen Sternen zeigten, ermöglichten es, die exakte neue Bahn des Asteroiden zu bestimmen. Die Detailanalyse der Daten bestätigte die Wirksamkeit des kinetischen Impaktors und des sekundären Rückstoßeffekts.
Die genauen Messungen ergaben, dass sich die Bahngeschwindigkeit des Doppelsystems um beeindruckende 11,7 Mikrometer pro Sekunde änderte. Diese scheinbar kleine Veränderung hatte eine signifikante Auswirkung: Die 770 Tage dauernde Umlaufzeit von Didymos und Dimorphos um die Sonne verkürzte sich um 0,15 Sekunden. Rahil Makadia von der University of Illinois Urbana-Champaign, der Hauptautor der Studie, betont die weitreichenden Konsequenzen solch geringfügiger Anpassungen. Er erklärte, dass »im Laufe der Zeit eine so kleine Veränderung in der Bewegung eines Asteroiden darüber entscheiden kann, ob ein gefährliches Objekt unseren Planeten trifft oder vorbeifliegt.« Dies unterstreicht die enorme Bedeutung dieser Mission für die langfristige Sicherheit der Erde vor potenziellen kosmischen Bedrohungen.
Asteroiden sind Überbleibsel aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems und stellen eine kontinuierliche, wenn auch seltene, Bedrohung dar. Viele dieser steinigen Brocken sind relativ klein und daher schwer zu beobachten, könnten aber bei einem Einschlag auf der Erde erheblichen Schaden anrichten. Die Europäische Weltraumagentur (Esa) erfasst derzeit rund 36.000 Asteroiden, deren Umlaufbahnen in die Nähe der Erde führen, und ständig werden neue entdeckt. Die Notwendigkeit effektiver planetarer Abwehrmechanismen wurde erst kürzlich wieder durch den Asteroiden 2024 YR4 unterstrichen, der Anfang vergangenen Jahres für Aufregung sorgte. Obwohl das Einschlagrisiko für 2032 von anfänglich knapp drei Prozent nach weiteren Messungen ausgeschlossen wurde, verdeutlichen solche Ereignisse die Relevanz der Fähigkeiten, die die DART-Mission erfolgreich demonstriert hat.

